Weibliche Führungskräfte in der Hotellerie

Die Glasdecke bekommt Risse

Interview mit den drei internationalen Hotelmanagerinnen Susan Keels, Rebecca Kwan und Anke Ebinger über ihre Karriere, darüber, was eine Führungskraft ausmacht und über die Frauenquote.

Donnerstag, 23.05.2019, 08:58 Uhr, Autor: Clemens Kriegelstein
Anke Ebinger, Susan Keels und Rebecca Kwan

Anke Ebinger, Susan Keels und Rebecca Kwan (v. l.) sind drei Frauen, die es in der internationalen Hotellerie ganz nach oben gebracht haben. (© WorldHotels)

Die Führungsetage der Hotellerie ist seit jeher von Männern dominiert. Aber die Dynamik verändert sich und trotz der oftmals schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durchbrechen immer mehr Frauen die Glasdecke und bewerben sich für Führungsaufgaben. Für die WorldHotels-Gruppe beantworteten jetzt drei weibliche Führungskräfte einige Fragen: Susan Keels, General Manager des Royal Park Hotel in Rochester (USA), Rebecca Kwan, General Manager des Lan Kwai Fong Hotels @ Kau U Fong (Hong Kong) und erste weibliche Vorsitzende der Hong Kong Hotels Association sowie Anke Ebinger, WorldHotels Regional Director of Sales Central Europe.

Was hat Sie dazu gebracht, sich nach oben zu arbeiten? Und was braucht eine Frau im Gastgewerbe, um erfolgreich zu sein?
Rebecca Kwan: „Die Hotellerie ist eine menschenorientierte Branche, um erfolgreich zu sein, muss man sich um sein Team und um seine Gäste kümmern. Man muss Fähigkeiten, Wissen, Erfahrung und Emotionen nutzen, um das zu verfolgen, was man will, und nicht darauf warten, dass es zu einem kommt.“
Anke Ebinger: „Um erfolgreich zu sein, muss man eine fundierte Netzwerkplattform mit Partnern, Kunden und Freunden aufbauen.“
Susan Keels: „Meine Leidenschaft für Gastfreundschaft, meine Entschlossenheit, immer einen besseren Weg zu finden, und meine unerbittliche Neugierde trieben mich dazu, mich nach oben zu arbeiten. Ich habe immer ja zu Chancen gesagt und nicht zugelassen, dass Angst mir im Weg steht.“ 

Was kann die Hotellerie tun, damit mehr Frauen Zugang zu Führungsebenen erhalten?
Anke Ebinger: „Ich denke, dass Frauen in Marketing und Vertrieb in der Hotellerie gut vertreten sind, und ich bin froh, dass sich dieser Trend auch in anderen Abteilungen fortsetzt. Meiner Meinung nach ist unsere Branche sehr gut für einen Karriereweg für Frauen geeignet.“
Susan Keels: „Ich glaube, dass die Hotellerie bereits auf dem richtigen Weg ist, um Frauen in der Führung ernster zu nehmen.  Wir als weibliche Führungskräfte in der Branche müssen weiterhin starke Führungsrollen für Frauen pflegen und fördern. Frauen in Führungspositionen auf hoher Ebene zu vermitteln, muss mehr als nur ein Standard, sondern eine starke Absicht werden. Wenn wir den Weg für Frauen in der Führung weiter ebnen, wird es für zukünftige weibliche Führungskräfte einfacher sein, ihm zu folgen.“

Glauben Sie, dass Frauen anders führen als Männer?
Rebecca Kwan: „Im Allgemeinen sind Frauen eher interaktiver und kurbeln Beziehungen, Bindung und Vernetzung zwischen den Teammitgliedern an, während Männer aufgabenorientiert sind und ihren Mitarbeitern Orientierung geben. Geschlechterdiversität ist ein globaler Trend in vielen Branchen, und es ist nachgewiesen, dass sich beide Geschlechter gegenseitig ergänzen können. Ich glaube fest daran, dass jeder Einzelne seinen eigenen Charakter und Stil hat, unabhängig vom Geschlecht.“
Anke Ebinger: „Es ist wahr, dass Frauen und Männer unterschiedliche Eigenschaften haben. Nach meiner Erfahrung sind gemischte Managementteams oft die erfolgreichsten. Frauen konzentrieren sich in der Regel auf das Wohlbefinden ihres Teams. Männer machen klarere Ansagen und stehen stärker im Vordergrund. Sie sind auch viel erfolgreicher im Networking.“
Susan Keels: „Genau, beide Geschlechter bringen unterschiedliche Fähigkeiten mit. Deshalb ist Vielfalt am Arbeitsplatz sehr wichtig.“

Die typische weibliche Komponente (Empathie etc.) als Vorteil – Tatsache oder nur ein Märchen?
Susan Keels: „Empathie ist in dieser Branche sicherlich ein Vorteil. Die Geschäftswelt hat sich im Laufe der Jahre verändert, die Verbindung zwischen Führungskräften und ihren Teams wird immer stärker. Es ist wichtig, mit Verständnis, Mitgefühl und Empathie zu führen. Ein Leiter mit diesen Eigenschaften hat die Fähigkeit zu verstehen, dass jeder die Welt aus verschiedenen Perspektiven betrachtet. Frauen, die empathische Führer sind, werden oft als „zu nett“ wahrgenommen, das ist nicht der Fall; es bedarf einer starken Führungskompetenz, um ein guter Zuhörer zu sein. Ein einfühlsames Arbeitsumfeld führt zu glücklicheren Mitarbeitern, die ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl haben und sich letztendlich besser um unsere Gäste und unser Geschäft kümmern.“
Rebecca Kwan: „Ich denke, Empathie spielt eine wichtige Rolle in unseren Beziehungen. Es hilft mir, die Emotionen und Bedürfnisse meiner Mitarbeiter besser zu verstehen und zu erkennen, und ich glaube, dass emotionale Intelligenz der entscheidende Faktor ist, der die Gesamtleistung antreibt.“
Anke Ebinger: „Ich stimme Rebecca zu. Empathie ist ein wichtiger Schlüssel zum Verständnis anderer Menschen – für mich ein wichtiges Merkmal bei der Führung von Mitarbeitern, insbesondere in Konfliktsituationen. Meiner Meinung nach ist dies nicht nur eine weibliche Komponente, sondern hängt mehr von der Ausbildung des einzelnen Menschen ab.“

Was halten Sie von der vieldiskutierten Frauenquote in Vorständen privater Unternehmen?
Susan Keels: „Ich bin kein großer Anhänger von Quoten, jedoch müssen Unternehmen sich bewusst sein, dass sie ein ausgewogenes Umfeld schaffen müssen, in dem jede Führungskraft eine andere Perspektive an den Tisch bringt. Wenn eine Gruppe von Führungskräften dieselbe Mentalität hat, kann dies den Fortschritt und die Entwicklung verlangsamen. Ich möchte Führungskräfte ermutigen, sich am Tisch umzusehen, und wenn alle genauso aussehen wie sie, muss sich eindeutig etwas ändern.“
Anke Ebinger: „Ich stimme Susan zu. Dieses Denken sollte in den Einstellungen und der Unternehmenskultur verankert sein. Ich bin skeptisch, dass Unternehmen hinter einem Quotensystem stehen und es aktiv fördern.“
Rebecca Kwan: „Ich denke, es ist wichtiger für die Unternehmenskultur, Chancengleichheit und Geschlechtervielfalt zu fördern als Regeln zu erfüllen. Diese Lücke zu schließen und Veränderungen zu schaffen, ist nur möglich, wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten. Ich bin zuversichtlich, dass wir unabhängig vom Geschlecht dazu beitragen werden, den Wohlstand der Branche aufzubauen.“

 

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