Betriebsbefragung

Lehrstellenangebot im Gastgewerbe schrumpft

Ausbildungsbetriebe wollen ihr Angebot für das Ausbildungsjahr 2021/2022 reduzieren oder gar komplett aussetzen. Besonders betroffen: Das Gastgewerbe.

Dienstag, 23.02.2021, 10:49 Uhr, Autor: Natalie Ziebolz
Azubi schaut Köchin beim Anrichten über die Schulter

28 Prozent der Ausbildungsbetriebe im Gastgewerbe wollen 2021/2022 weniger oder keine Ausbildungsplätze anbieten. (Foto: © iStockphoto)

Bisher hatte sich die betriebliche Ausbildung als robuster erwiesen als erwartet. Nun wendet sich das Blatt jedoch. Eine aktuelle Betriebsbefragung der IBA zeigt, dass insbesondere kleine Betriebe und Betriebe, die von der Krise stark betroffen sind, ihr Angebot an Ausbildungsplätzen reduzieren wollen.

Verschlechterung der Ausbildungssituation innerhalb von zwei Monaten

Der Befragung aus dem September 2020 nach, waren die Probleme zu dieser Zeit vorwiegend qualitativer Natur. So konnten die Betriebe damals ihre Lehrstellen nur unter erschwerten Bedingungen besetzen, da Vorstellungsgespräche oder Praktika nicht wie gewohnt stattfinden konnten oder Ausbildungsmessen abgesagt oder virtuell organisiert werden mussten. Dass Betriebe ihr Lehrstellenangebot verringerten, kam jedoch selten vor.

Tabelle Anteil mit den Betrieben, die infolge der Corona-Krise weniger oder gar keine Ausbildungsplätze besetzen
Anteil der Betriebe, die infolge der Corona-Krise weniger oder gar keine Ausbildungsplätze besetzen. Im Schnitt liegt der Anteil bei 10 Prozent. (Foto: © IAB)

Auch im Dezember 2020 plante ein gutes Drittel der ausbildungsberechtigten Betriebe, im Ausbildungsjahr 2021/2022 Ausbildungsplätze anzubieten. 7 Prozent der Ausbildungsbetriebe gaben jedoch an, aufgrund der Corona-Krise darauf zu verzichten. 4 Prozent wollen das Angebot zumindest reduzieren. Im Gastgewerbe sind es sogar 28 Prozent.

Vor allem kleinere und krisengeschüttelte Betriebe schränken ihr Ausbildungsplatzangebot ein: Während von den ausbildungsberechtigten Kleinstbetrieben (1 bis 9 Beschäftigte) 14 Prozent angeben, weniger auszubilden, sind es von den ausbildungsberechtigten Großbetrieben (250 und mehr Beschäftigte) nur 6 Prozent.

Unsichere Geschäftserwartungen machen Ausbildung schwer

Grafik mit den Gründen, warum Betriebe im Ausbildungsjahr 2021/2022 weniger Ausbildungsplätze anbieten wollen als ursprünglich geplant.
Gründe, warum Betriebe im Ausbildungsjahr 2021/2022 weniger Ausbildungsplätze anbieten wollen als ursprünglich geplant. (Foto: © IAB)

Die Betriebe, die ihr Angebot an Ausbildungsplätzen im kommenden Ausbildungsjahr einschränken oder gänzlich einstellen wollen, wurden auch nach den konkreten Gründen hierfür gefragt. 93 Prozent der betroffenen Betriebe begründen dies mit unsicheren Geschäftserwartungen, 71 Prozent geben finanzielle Gründe an. Andere Faktoren folgen mit großem Abstand. So gibt ein Drittel der Betriebe an, dass die räumlichen und personellen Kapazitäten absehbar nicht ausreichen werden, um Auszubildende wie geplant zu betreuen. Ebenfalls ein Drittel führt auch bei dieser Befragung ins Feld, dass sich die Rekrutierung von Auszubildenden derzeit schwierig darstellt, etwa weil aufgrund der Kontaktbeschränkungen keine Ausbildungsmessen oder Praktika stattfinden oder Ausbildungsmessen und Bewerbungsgespräche virtuell stattfinden müssen.

Nicht genügend qualifizierte Bewerbungen erwarten schließlich 31 Prozent der Betriebe. Hier spielt auch die Tatsache ein Rolle, dass die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für einen Ausbildungsplatz sowohl im letzten Ausbildungsjahr als auch bislang für das kommende Ausbildungsjahr zurückgegangen ist.

„Ausbildungsplätze sicher“: Programm der Bundesregierung

Um Betriebe in ihren Ausbildungsbemühungen zu unterstützen und die Chancen der Jugendlichen, eine Ausbildung zu beginnen, zu erhöhen, hat die Bundesregierung das Programm „Ausbildungsplätze sichern“ aufgelegt (lesen Sie dazu auch einen aktuellen Beitrag im IAB-Forum). Dadurch werden zum jetzigen Zeitpunkt aber nur Ausbildungsverhältnisse gefördert, die bis zum 15. Februar 2021 beginnen. Die Pläne von Bundesarbeitsminister Heil, im März dieses Jahres eine erneute und verbesserte Ausbildungsprämie aufzulegen, decken sich daher grundsätzlich mit der Einschätzung des IAB.

(IBA/NZ)

 

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