Jobsuche im Gastgewerbe: Generationen ticken unterschiedlich
Der Wettbewerb um Fachkräfte bleibt für Hotels und Gastronomiebetriebe angespannt. Umso wichtiger ist es, die Erwartungen der Mitarbeiter genau zu kennen. Die aktuelle Xing-Wechselbereitschaftsstudie 2026 zeigt deutlich: Zwar gibt es generationenübergreifende Gemeinsamkeiten, doch die Prioritäten unterscheiden sich je nach Lebensphase erheblich.
„Der Arbeitsmarkt wird nicht durch Unterschiede geprägt, sondern durch das Zusammenspiel aus gemeinsamen Erwartungen und altersspezifischen Prioritäten. Verbindend ist in Zeiten zunehmender geopolitischer Spannungen, rapidem technologischen Fortschritt und anhaltender Wirtschaftsflaute der Wunsch nach Stabilität im Arbeitsleben“, so Arbeitsmarktexperte Dr. Julian Stahl.
Gerade für Arbeitgeber in der Hospitality bedeutet das: Standardlösungen reichen nicht mehr aus.
Jobsicherheit bleibt zentral – auch in der Hospitality
Über alle Generationen hinweg zeigt sich ein klarer Trend: Jobsicherheit ist der wichtigste Grund, beim aktuellen Arbeitgeber zu bleiben – und gleichzeitig das wichtigste Kriterium bei der Wahl eines neuen Jobs.
Für Betriebe in Hotellerie und Gastronomie ist das besonders relevant, da die Branche traditionell mit hoher Fluktuation zu kämpfen hat. Gleichzeitig zeigt die Studie:
- Ein befristeter Arbeitsvertrag wirkt für viele Bewerber abschreckend, selbst wenn ein höheres Gehalt in Aussicht gestellt wird.
- Der Wunsch nach Stabilität nimmt angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und struktureller Veränderungen weiter zu.
- Neben der Sicherheit spielt auch das Führungsverhalten eine entscheidende Rolle dafür, ob Mitarbeiter langfristig im Betrieb bleiben.
Generation Z: Gehalt, Entwicklung, aber auch Freizeit
Die jüngsten Mitarbeiter gelten weiterhin als besonders wechselbereit, auch wenn die Tendenz leicht sinkt. In Hotels und Restaurants zeigt sich das häufig bei Auszubildenden oder Berufseinsteigern.
Wichtige Erkenntnisse aus der Studie im Überblick:
- 44 % der Gen Z sind grundsätzlich offen für einen Jobwechsel und zeigen damit eine überdurchschnittliche Mobilität am Arbeitsmarkt.
- Als wichtigste Gründe für einen Wechsel nennen sie vor allem ein zu niedriges Gehalt sowie fehlende Aufstiegschancen, die für viele junge Mitarbeiter entscheidend sind.
- Gleichzeitig wünschen sich 73 % einen langfristig sicheren Arbeitsplatz, was den hohen Stellenwert von Stabilität unterstreicht.
Auffällig ist zudem: Trotz des starken Fokus auf Gehalt entscheidet sich die Mehrheit im Zweifel für mehr Freizeit statt höherem Einkommen.
Für Betriebe bedeutet das: Karriereperspektiven allein reichen nicht – auch Arbeitszeiten und Work-Life-Balance müssen stimmen.
Millennials: Zwischen Karriere und Stabilität
Millennials stellen in vielen Betrieben der Branche einen großen Teil der Belegschaft – etwa in Küchen, im Service oder im Management. Ihre Erwartungen lassen sich so zusammenfassen:
- 40 % dieser Generation sind wechselbereit, auch wenn die Bereitschaft im Vergleich zu den Vorjahren leicht zurückgeht.
- Als wichtigste Wechselgründe werden fehlende Entwicklungsmöglichkeiten sowie ein als zu niedrig empfundenes Gehalt genannt.
- Gleichzeitig spielen Jobsicherheit und eine ausgewogene Work-Life-Balance eine zentrale Rolle, wenn es um die Bindung an den aktuellen Arbeitgeber geht.
„Für Millennials entscheidet nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel“, erklärt Dr. Julian Stahl. Gerade in der Gastronomie, wo Arbeitszeiten oft herausfordernd sind, kommt dieser Generation eine Schlüsselrolle zu. Betriebe müssen hier gezielt an Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten arbeiten.
Generation X: Belastung und Führung als Wechseltreiber
Bei erfahrenen Mitarbeitern der Generation X steht weniger der schnelle Karriereschritt im Fokus. Stattdessen zählen verlässliche Rahmenbedingungen. Zentrale Ergebnisse im Detail:
- Mit 29 % ist die Wechselbereitschaft vergleichsweise niedrig, was auf eine stärkere Bindung an bestehende Arbeitsverhältnisse hindeutet.
- Wenn ein Wechsel in Betracht gezogen wird, liegt das häufig an einem dauerhaft hohen Stresslevel oder an Unzufriedenheit mit der direkten Führungskraft.
- Gleichzeitig sind interessante Arbeitsaufgaben, ein sicheres Beschäftigungsverhältnis und ein angemessenes Gehalt die wichtigsten Gründe, im Betrieb zu bleiben.
Gerade in Küchen oder im operativen Hotelbetrieb zeigt sich: Hohe Arbeitsbelastung führt langfristig zu Abwanderung.
Babyboomer: Stabilität und Sinn im Fokus
Die ältesten Mitarbeiter sind am wenigsten wechselbereit, bringen aber viel Erfahrung in die Betriebe ein. Ihre Prioritäten im Überblick:
- Nur 17 % sind offen für einen Jobwechsel, viele bleiben ihrem Arbeitgeber über lange Zeit treu.
- Die wichtigsten Gründe für diese Loyalität sind Jobsicherheit, ein gutes Miteinander im Team sowie interessante und sinnvolle Aufgaben.
- Wenn es dennoch zu Wechselüberlegungen kommt, stehen vor allem ein zu hohes Stresslevel sowie Unzufriedenheit mit der Führung im Vordergrund.
Auffällig ist zudem: Sinnstiftende Arbeit gewinnt in dieser Lebensphase deutlich an Bedeutung. Für Arbeitgeber bedeutet das: Wer erfahrene Mitarbeiter halten will, muss auf Wertschätzung, gute Führung und stabile Strukturen setzen.
Was Hotels und Restaurants daraus lernen können
Die Studie macht deutlich: Ein einheitliches Arbeitgeberangebot reicht nicht mehr aus. Stattdessen braucht es differenzierte Ansätze.
Für Unternehmen bedeutet das: Es reicht nicht, einzelne Faktoren zu optimieren. Gefragt sind individuelle Angebote, die sowohl grundlegende Bedürfnisse erfüllen als auch unterschiedliche Lebensphasen und Erwartungen gezielt berücksichtigen.
Fazit: Differenzierung wird zum Erfolgsfaktor
Für Hotellerie und Gastronomie ergibt sich eine klare Herausforderung: Mitarbeiter lassen sich nicht mehr mit einem Standardpaket gewinnen oder halten.
Wer im Wettbewerb um Fachkräfte bestehen will, muss:
- stabile Arbeitsverhältnisse bieten,
- individuelle Bedürfnisse je nach Altersgruppe berücksichtigen sowie
- Führung und Arbeitsbedingungen gezielt verbessern.
Gerade in einer personalintensiven Branche wie der Hospitality entscheidet dieses Verständnis zunehmend über den wirtschaftlichen Erfolg.
(Xing/ SAHO)