Personalmangel

Projekt #ABCforJobs gibt Analphabeten eine Chance

Kellner nimmt Bestellung auf
Oft werden mittlerweile Bestellungen im Restaurant über ein digitales Bestellsystem aufgenommen. (Foto: © Drazen/stock.adobe.com)
Fast jeder Hotel- oder Gastronomiebetrieb ist aktuell von Personalmangel betroffen. Umso wichtiger ist es, vorhandene Beschäftigte flexibel und vielfältig einsetzen zu können. Doch was, wenn dies an mangelnden Lese- und Schreibfähigkeiten scheitert?
Freitag, 24.03.2023, 12:29 Uhr, Autor: Sarah Kleinen

In diesen Tagen gerät so mancher Personalverantwortliche ins Verzweifeln: Nachdem Corona-bedingte Einschränkungen gefallen sind und die Menschen wieder essen gehen und Hotelreisen buchen, stehen Hotel- und Gastrobetriebe vor der nächsten großen Herausforderung: Woher bekommen sie geeignete Mitarbeiter für die Küche, das Housekeeping, den Service und viele weitere Bereiche? 

Der Fachkräftemarkt scheint gleichermaßen leergefegt wie heiß umkämpft. Offensichtlich ist, dass neue Lösungsansätze hermüssen. Naheliegend scheint es, vorhandene Beschäftigte weiterzuentwickeln und Schritt für Schritt aufzubauen. Grundvoraussetzung dafür ist, dass alle Mitarbeiter über ein 
einheitliches Wissensniveau und eine entsprechende Grundbildung verfügen.

Geringe Literalisierung ist kein Einzelphänomen

Im Zuge der Digitalisierung hat sich die Arbeitswelt insgesamt verändert. Schriftsprachliche und digitale Kompetenzen haben auch bei gering qualifizierten Berufen deutlich an Relevanz zugenommen. Zu beobachten ist dies in verschiedenen Bereichen: Während im Service früher ein gutes Gedächtnis ausreichte, um Bestellungen vom Gast an die Bar zu übermitteln, greift heute nahezu jeder Betrieb auf ein digitales Bestell- und Rechnungssystem zurück. 

Ebenso verhält es sich beim Housekeeping, vor allem in großen Häusern: Die Gäste kommunizieren inzwischen fast ausschließlich über digitale Chatsysteme, um ihre Wünsche mitzuteilen. Dieser Entwicklung gegenüber stehen 6,2 Mio. erwerbsfähige Menschen in Deutschland, die nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben können – das entspricht jedem achten Erwachsenen in Deutschland.

Anders als fälschlicherweise oft angenommen, verfügen diese Menschen oftmals trotzdem über einen Schulabschluss und fielen bisher mit ihren Lese- und Schreibdefiziten kaum auf. Denn im Laufe ihres Lebens haben sie sich eine 
Reihe von Strategien angeeignet, um ihre geringe Literalisierung möglichst gut zu 
verschleiern.

Dies kostet Betroffene oft nicht nur viel Energie, sondern kann dazu führen, dass sie sich sozial zurückziehen. In jedem Fall hat es zur Folge, dass eine berufliche Entwicklung nur stark eingeschränkt erfolgen kann.

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