Auf die Verpackung kommt es im To-Go-Geschäft durchaus an
Fotos: iStockphoto

Zum Mitnehmen, bitte – aber umweltfreundlich!

Auf die Verpackung kommt es im To-Go-Geschäft durchaus an ...

von Sebastian Bütow
Donnerstag, 07.11.2019
Artikel teilen: 

Kein Thema wird aktuell so heiß diskutiert wie Nachhaltigkeit und Klimaschutz. Auch Fast-Food-Restaurants, deren Tüten, Burger-Verpackungen und Getränkebecher seit Jahrzehnten die Mülleimer unserer Städte überfüllen, sind zum Umdenken gezwungen und suchen nach nachhaltigeren Lösungen.

McDonald´s
Foto: McDonald´s

Graspapier statt Burgerschachtel

Deshalb experimentierte McDonald’s in Berlin mit alternativen Verpackungen für Big Mac und Co. In seiner Vorzeige-Hauptstadt-Filiale »Better M Store« in der Mall of Berlin am Leipziger Platz probierte das Unternehmen im Juni zehn Tage lang aus, welche nachhaltigen Verpackungslösungen in der Systemgastronomie zukünftig sinnvoll eingesetzt werden können.

Holz- statt Plastiklöffel für das Eis, Graspapier statt Burger-Schachtel, Softdrinks im Mehrweg- und nicht im Wegwerfbecher. Anschließend konnten die Gäste die noch ungewohnten neuen Verpackungen bewerten. »Wir wollten herausfinden, welche Umstellungen möglich sind und wo McDonald’s gemeinsam mit seinen Lieferanten noch weiter an Alternativen arbeiten muss. Denn eine innovative Lösung funktioniert nur dann, wenn sie gleichermaßen zu den operativen Prozessen im Restaurant, zu Hygienevorgaben oder eben zum Geschmack unserer Gäste passt«, so eine Unternehmenssprecherin auf HOGAPAGE-Nachfrage.

Nicht alle Alternativen kamen gut an

Die Alternativen kamen größtenteils sehr gut an, aber eben nicht alle, verrät die Sprecherin. »Nur der Papierstrohhalm und der Holzlöffel, der zu unseren Eisbechern ausgegeben wurde, waren noch verbesserungswürdig in den Augen vieler Gäste.« Man arbeite an der Optimierung, aber »nichtsdestotrotz werden auch unsere Gäste ihre Gewohnheiten ein Stück weit an neue Materia­lien oder Prozesse anpassen müssen«.

Strohhalme machen natürlich nur einen klitzekleinen Anteil der täglich verwendeten Einwegartikel aus, sind aber symbolträchtig – spätestens seit ein Video viral ging, bei dem einer Schildkröte ein Plastikhalm aus dem Nasenloch gezogen wurde. Das Berliner Start-up »Halm« hat sich z.B. auf wieder­verwendbare, spülmaschinenfeste Trinkhalme aus Glas spezialisiert, die man individuell gravieren lassen kann, zum Beispiel für Hochzeitsfeiern. Im Anschluss an die Testphase hat McDonald’s jedenfalls Ziele und Maßnahmen für den Umweltschutz bekanntgegeben. »Wir wollen nach und nach Plastik- und Verpackungsmüll reduzieren. Wir erwarten durch die Verpackungsumstellungen im Dessertbereich Einsparungen in Höhe von rund 1.000 Tonnen Plastik pro Jahr.«

EU-Verbot für Einwegplastik ab 2021

Holger Beeck, Vorstandsvorsitzender von McDonald’s Deutschland, teilte kürzlich mit, dass bis zum Jahr 2025 alle Verpackungsmaterialien nur noch aus erneuerbaren, recycelten oder zertifizierten Quellen stammen werden. Dies sei keine nationale, sondern eine globale Zielsetzung.

Nicht nur Fast-Food-Giganten müssen sich übrigens Verpackungs-Alternativen einfallen lassen, sondern so ziemlich jeder von uns. Weil die EU beschlossen hat, viele Einwegplastik- und Styroporgegenstände ab 2021 zu verbieten oder erheblich zu reduzieren. Dazu zählen zum Beispiel Besteck, Geschirr, Strohhalme, Ess-Stäbchen und Styroporverpackungen für Speisen. Plastik also, das besonders häufig an Strände gespült wird. Behälter und Becher aus aufgeschäumtem Polystyrol sollen ebenso verbannt werden wie Produkte aus sogenanntem oxo-abbaubarem Kunststoff. Dieses Material zerfällt in Mikroplastik, belastet Umwelt und Gesundheit enorm.

Weniger als ein Drittel des Plastiks wird in Europa recycelt

Wir Europäer produzieren pro Jahr 26 Millionen Tonnen Kunststoffabfall, deshalb hatte die Mehrheit des EU-Parlaments im März einer Anti-Plastik-Richtlinie zugestimmt. EU-weit wird derzeit weniger als ein Drittel des entsorgten Plastiks recycelt – viel zu wenig also. Der große Anteil wird verbrannt oder landet im Meer.

Den Kunststoffen geht es immer mehr an den Kragen, doch ohne Verpackungen geht’s natürlich auch nicht. Immer mehr Gäste lassen sich ihr Essen im Restaurant einpacken, wenn die Portion zu groß war, auch da hat sich der Zeitgeist verändert, kaum einer schämt sich mehr dafür. »Heutzutage gehört es zum guten Ton, übrig gebliebenes Essen später zu Hause oder im Büro aufzuessen und nicht wegzuwerfen«, sagt Lydia Steibl, Produktmanagerin vom Verpackungs-Fachhandel Rausch, der auf Verpackungen für Lebensmittel spezialisiert ist.

»Selbst in gehobeneren Restaurants ist die Hemmschwelle gesunken, und immer mehr Gastronomen bieten das auch proaktiv als zusätzlichen Kundenservice an.« Eine erfreuliche Entwicklung, die der unsäglichen Lebensmittelverschwendung ein wenig die Stirn bietet. Auch Kantinenbetreiber verkaufen mittlerweile übrig gebliebene Speisen günstig zum Mitnehmen, Restaurants können übrige Speisen zu reduzierten Preisen bei Apps wie »Too Good To Go« oder »ResQ« anbieten.

Papierverpackung
Fotos: Rausch

Nachhaltig allein reicht nicht

»Bei Gastronomen stehen Produkte im Fokus, die Funktionalität mit Nachhaltigkeit kombinieren und gleichzeitig optisch attraktiv sind«, sagt Hans-Georg Wieskus, Geschäftsführer des Verpackungs-Lieferanten Bunzl. Ein Beispiel: Bunzls Verpackungs-Produkte für den Take-away-Markt. Mit dem BTO- System (Bunzl Take Out) können Siegelmaschinen und -schalen für das Verpacken von Speisen individuell an die Wünsche und Bedürfnisse der Gastronomen angepasst werden. Das System eignet sich für die Vorbereitung, Lagerung und den Transport von Speisen.

Diese Siegelschalen von Bunzl werden aus Bio-Zellulose aus FSC-zertifiziertem Fichten- und Tannenholz hergestellt, einem nachhaltigen Rohstoff, der biologisch abbaubar ist. Die Schalen enthalten keinerlei Schadstoffe, sind uneingeschränkt für den direkten Kontakt mit feuchten und fettenden Lebensmitteln zugelassen und stehen auch in der Mikrowelle ihren Mann.

Das Verpacken nicht verzehrter Speisen betrachten Gastronomen längst nicht mehr als lästigen Zusatz-Service. Denn, so Lydia Steibl, »ein positiver Nebeneffekt ist, dass der Restaurantbesuch beim Gast so noch länger nachhallt. Wenn man daheim noch einmal etwas Leckeres essen kann, ohne kochen zu müssen, weckt dies positive Assoziationen. Wer außerdem Etiketten für Menü-boxen bereithält oder die Tragetaschen individualisieren lässt, nutzt die Verpackung auch als Werbeträger.«

Lieferdienst ohne Verpackungsmüll? Es geht!

Die Anti-Plastik-Meldungen aus der Hotellerie und Gastronomie häufen sich rasant, auch die Lieferdienste sind in der Pflicht, umweltfreundlicher zu werden. Allein in Deutschland wurden vergangenes Jahr 112 Millionen Gerichte online bestellt – das sind 27.000 Tonnen Verpackungsmüll bzw. neun Millionen volle Mülleimer.

Auf diese erschreckenden Zahlen macht »Vanilla Bean«, bisher bekannt als Restaurantführer-App, die unterwegs vegane Lokale findet, in einem Werbevideo aufmerksam. Das 2015 gegründete, mehrfach preisgekrönte Start-up will einen Lieferdienst ganz ohne Verpackungsmüll starten. Aktuell wird das neue Geschäftsmodell in Regensburg getestet. Das Essen wird ausschließlich in umweltfreundlichen, wiederverwendbaren Lunch-Boxen aus Reisfasern zum Kunden gebracht. Bestellt der Kunde nochmals, gibt er dem Lieferanten einfach die sauber gespülte Box der vorherigen Bestellung mit auf den Weg.

91 Prozent der Lieferdienst-Kunden verzichten aufs Besteck

In Großbritannien führte der Lieferdienst »Deliveroo« im Februar ein, dass Kunden bei ihrer Bestellung gefragt werden, ob sie auf mitgeliefertes Besteck verzichten können. Das Ergebnis: 91 Prozent verzichteten. An der Bereitschaft der Kunden werden umweltfreundlichere Verpackungen also kaum scheitern. Wer stopft schon gerne Pizzakartons und Styroporboxen vom Chinesen in seinen Küchenmülleimer?

Wer schon heute nachhaltig verpackt, punktet damit bei seinen Kunden

Lydia Steibl, Produkt-managerin Verpackungs-
Fachhandel Rausch

Noch sind nachhaltige Verpackungen für die Gastronomie im Durchschnitt 30 bis 50 Prozent teurer als herkömmliche Verpackungen, konstatiert Hans-Georg Wieskus, »wir gehen aber davon aus, dass die Preise aufgrund steigender Nachfrage zukünftig weiter sinken werden«. Lydia Steibl bestätigt diese Einschätzung: »Derzeit ist es noch so, dass herkömmliche Verpackungen in vielen Fällen die wirtschaftlichere Lösung sind. Wir sind überzeugt, dass sich das ändern wird. Eines darf man auch nicht vergessen: Wer schon heute nachhaltig verpackt, tut etwas für die Umwelt und punktet damit bei seinen Kunden. Die etwas höhere Investition lohnt sich.«

Wöchentlich neue Produkt-Innovationen

Der Markt der nachhaltigen Verpackungslösungen entwickle sich rasant, sagt Jens Dörner, Einkaufsleiter der Bunzl Verpackungen GmbH. »Fast wöchentlich gibt es Produktinnovationen, die bei Bunzl getestet und – sofern sie alle Tests bestanden haben – ins Sortiment aufgenommen werden.« Die deutsche Bundesernährungsministerin Julia Klöckner gab im Februar bekannt, dass die Entwicklung fortschrittlicher Lebensmittel-Verpackungen millionenschwer gefördert werden soll. Ihr schweben intelligente Materialien vor, die den Verbrauchern an einem Farbverlauf sichtbar machen, wie lange ein Nahrungsmittel genießbar ist.

Es tut sich eine Menge in der Verpackungsszene, dem Plastikirrsinn wird peu à peu ein Ende gesetzt. Bunzls neuester Hit ist eine Snackverpackung aus Pappe, die ganz ohne Kunststoffbeschichtung auskommt. »Das ist eine absolute Innovation, weil Kunststoff bisher nötig war, um Verpackungen fettdicht und feuchtigkeits­resistent zu machen«, so Jens Dörner.

Weitere Artikel aus der Rubrik Technik & Equipment

Artikel teilen:
Überzeugt? Dann holen Sie sich das HOGAPAGE Magazin nach Hause!