Mann in modernem Hotelzimmer
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Internet- und TV-Lösungen für das Gastgewerbe

von Sebastian Bütow
Mittwoch, 04.07.2018
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Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehn – diese Redewendung könnte für Hoteliers, die ihre Gäste mit einer miserablen Internetverbindung enttäuschen, zu einer bitteren Realität werden. »In puncto WLAN ist die deutsche Hotellerie noch ein Jammertal«, bilanzierte »Spiegel Online« die Untersuchung eines Reputationsmanagement-Anbieters. Der hatte 2015 vier Millionen Gästebeurteilungen analysiert und im Zuge dessen auch die Zufriedenheit mit dem Internetzugang untersucht.

»So wichtig wie fließendes Wasser«

Das Ergebnis: Mehr als ein Drittel der Gäste war unzufrieden mit der WLAN-Qualität. Deutsche Hotels landeten sogar auf dem letzten Platz, in Schweden meckerten die wenigsten (19 Prozent). Die großen Ketten platzierten sich nur im Mittelfeld.

Eine andere Umfrage ergab, dass Gäste lieber auf ein kostenloses Frühstück verzichten als auf ein schnelles Gratis-WLAN. »Internet auf dem Zimmer ist vielen Gästen heute so wichtig wie fließendes Wasser«, sagt Marco Velten, Geschäftsführer der Eichberg Hotelmedien GmbH Süd. »Sie kommen einfach nicht wieder, wenn das Internet nicht funktioniert, die diskutieren nicht lange herum. Sicher, als Einheimischer kann man notfalls auch über seinen Handytarif ins Netz. Für einen chinesischen Gast aber kann diese Option richtig teuer werden.«

Vor Jahren war es noch Standard, dass sogar teure Hotels ihre Gäste zur Kasse baten, wenn diese nach einem WLAN-Zugang verlangten. Das ist längst nicht mehr zeitgemäß. Ob für Geschäftsreisende oder ganz normale Gäste, Hotel- und Restaurantbetreiber sollten ihren Gästen immer ein schnelles und verlässliches Internet an die Hand geben – nicht nur in bestimmten Bereichen des Hotels, sondern auf jedem Zimmer, in möglichst jedem Winkel aller Räume. Selbst auf Campingplätzen wollen Gäste heutzutage immer und überall online sein.

»Viele scheuen die Investition«

Woran liegt es, dass zu viele Hoteliers und Gastronomen noch immer ihre Gäste enttäuschen? »Viele scheuen die Investition, eine IP-Verkabelung nachzuziehen, oder wollen durch einen Umbau nicht den laufenden Betrieb unterbrechen. Manchen sind auch aus Denkmalschutzgründen die Hände gebunden«, sagt Marco Velten.

Dabei gibt es viele Ansätze, um Hotel­gäste technisch zufriedenzustellen: vom Aufbau eines IP-Netzwerks via bereits vor­handene Antennenkabel über den WLAN-Concierge zur Interaktion über die Mobilgeräte der Gäste bis hin zum Screen-Mirroring, bei dem der Gast die Apps ­seines Handys komfortabel auf dem TV-Bildschirm im Zimmer nutzt. HOGA­PAGE hat sich bei Branchenexperten nach Lösungen umgehört.

Internet übers Antennenkabel

Wie sich ein Haus in Sachen WLAN in Topzustand bringen lässt, kann man natürlich nicht pauschal beantworten. Eine einfache und störungsfreie Lösung wäre es aber beispielsweise, die Hausantennenver­kabelung als IP-Netzwerk zu nutzen. Mit diesem ist parallel zum TV-Signal ein entfernungsunabhängiger stabiler Datentransfer von über 600 MBit pro angebundener Antennendose möglich. Diese verfügt dann neben dem LAN-Anschluss über einen integrierten WLAN-Access-Point (drahtloser Zugang) für eine perfekte Ausleuchtung in Gästezimmern und öffentlichen Bereichen.

Früher wurden übrigens die Hotspots (­Access Points) meist in den Hotelfluren verbaut – wo der Gast sich jedoch kaum aufhält. Problematische Wandbeschaffenheiten, Reflexionen durch Spiegel, Metall etc. oder einfach zu weite Entfernungen führten dann zwangsläufig zu WLAN-Enttäuschungen in den Hotelzimmern selbst.

Internet- und TV-Spezialisten für Hotels und Gaststätten

Bei neuen Häusern wird heute gern auf die klassische Antennenverkabelung via Koaxialkabel verzichtet, stattdessen auf eine reine IP-Verkabelung gesetzt. Nachteil: Die Anschaffungen für die TV-Sendereinspeisung über eine IP-Sat-Kopfstelle, auch die TV-Geräte, sind deutlich teurer. Der Aufwand, um das TV-Signal unter­brechungsfrei zu streamen, ist um einiges höher als bei einer herkömmlichen Koaxial-Hausantennenverkabelung. Wenn das TV-Streaming-Signal ebenfalls über die IP-Verkabelung läuft, ist die Verbindung dann oftmals nicht so stabil wie bei einem herkömmlichen Hausantennennetz.

Viele Anbieter haben sich darauf spezialisiert, das Gastgewerbe mit passenden WLAN-Lösungen und Mediatechnik auszustatten. Mit schnellen und benutzerfreundlichen Internetzugängen für die Gäste, auch im Außenbereich, unkomplizierter Abrechnung, Optimierung von Service-Prozessen, sicherer standortübergreifender Steuerung bei Betrieb in mehreren Häusern und IP-Telefonie.

IP-Telefonie – auch Voice-over-IP genannt – ist dabei schon heute vielerorts Standard. Dabei wird nicht mehr klassisch über einen Telefonanschluss (mit analoger oder ISDN-Technik) telefoniert, sondern über einen DSL-Anschluss. Auch Fernsehen und Streaming können über das gleiche Netz bezogen werden, ebenso können Gäste mit ihren Smartphones über das Netzwerk telefonieren.

Fernsehen mit SKY
Foto: SKY

Maßgeschneiderte Infos und ­Service per WLAN-Concierge

Ein WLAN-Concierge ist ein interaktiver Online-Concierge, der über den Internetzugang im Hotel genutzt werden kann. Über ihn kann das Hotel mit dem Gast per Handy oder Tablet kommunizieren – und umgekehrt. Eine Hardware-Investition ist dafür nicht notwendig – noch nicht einmal das Aufspielen einer App.

»Der WLAN-Concierge spart Personalkosten, weil viele Anfragen, auch in verschiedenen Sprachen, bedient werden können«, so Marco Velten. Und mit monatlich 75 Euro für ein 50-Zimmer-Hotel ist die Innovation für kleines Geld zu haben.«

»Screen-Mirroring« – die eigenen Apps auf den Hotelzimmer-TV-Bildschirm
Mirroring (engl. Spiegelung) bedeutet, dass der Gast alle Apps und Funktionen seines Smartphones oder Tablets – auch Streaming-Dienste oder Computerspiele – auf dem TV-Bildschirm im Zimmer verwenden kann, ohne eine zusätzliche App herunterladen (und wieder deinstallieren) zu müssen, damit all das funktioniert.

»Das ist vor allem für ausländische Gäste komfortabel, insbesondere wenn deren Apps andere Schriftzeichen haben«, sagt Marco Velten. »Sie können das große Display auch als Split-Screen nutzen: Links läuft die Lieblingsserie, und rechts sehen sie, wenn sich etwas in ihren sozialen Netzwerken tut. Mirroring bieten wir auch zur nachträglichen Aufrüstung an. Dadurch fühlt sich jeder Gast sofort wie zu Hause, da er in seinem gewohnten medialen Umfeld hantieren kann.«

Hotelmedien mirroing
Foto: Hotelmedien

Schaut ein Gast unterwegs über einen TV-Live-Stream ein Fußballspiel auf seinem Handy, kann er dank Mirroring auf dem großen Hotelzimmerbildschirm weitergucken, ohne viele Knöpfe drücken oder die Bedienung neuer Geräte mühsam erlernen zu müssen. Der Zimmer-Bildschirm zeigt alles an, was auch auf dem Handy oder Tablet zu sehen ist.

Wie mit Hotel-TV Einnahmen generiert werden können

Noch vor Jahren waren Pay-TV-Filme eine lukrative Einnahmequelle für Hotels, vor allem die Erotikfilm-Branche ließ so manche Kasse klingeln. Erotikfilmchen gibt es heute jedoch haufenweise gratis im Netz, sodass dieses Geschäftsmodell so gut wie beerdigt ist. Dennoch können die Hotel-TVs Einnahmen generieren – etwa wenn ein Gast kurzfristig einen Massagetermin abgesagt hat. Um die dadurch entstandene Lücke im Terminkalender des Massage-Therapeuten zu füllen, können andere Gäste via WLAN-Concierge direkt das Angebot erhalten, den frei gewordenen Termin zum Sonderpreis wahrzunehmen – aufs Handy oder per TV-Bildschirm-Banner. Davon profitieren sowohl das Hotel als auch der Gast.

Fußballübertragungen als Umsatzbooster

Champions-League-Partien gibt’s fast nur noch im Pay-TV zu sehen, in Deutschland haben ab der Saison 2018/19 ausschließlich Sky und DAZN die Rechte. Packende Partien an der Hotelbar unter Gleichgesinnten genießen – welcher Gast bestellt da nicht gerne noch ein Bierchen mehr?

»Das Abo für Übertragungen an der Bar kostet für ein Hotel mit 100 Zimmern 149 Euro monatlich«, sagt Jana Mager von Sky, »in Verbindung mit einem Vertrag für die Zimmer, wo noch mal 2,50 Euro pro Raum und Monat dazukommen.« Macht insgesamt rund 400 Euro monatlich. Für die Gastronomie gibt es auch Angebote, bei denen ein großer UHD-Fernseher leih­weise zur Verfügung gestellt wird.

Scharf auf Ultra-HD

Als Head of National Key Account Manager berät Mager große Hotelketten wie Accor, NH oder Hilton auch bei Hardware-Fragen. »UHD ist ein großes Thema, vor allem im Barbereich«, sagt Mager, »immer mehr Gäste haben auch zu Hause solche Geräte und wollen eine Top-Bildqualität im Hotel nicht missen.«

Mager weiter: »UHD macht aber erst Sinn ab einer Bilddiagonale von 55 Zoll, und es gibt auch noch nicht so viel UHD-Content.« Viele Hoteliers würden erst mal schauen, wie sehr sich das ultrascharfe Bild durchsetzt, der 3D-Hype vor einigen Jahren sei schließlich auch wieder abgeebbt.

Was muss ein TV-Gerät im Hotelzimmer können?

Als zeitgemäß gilt längst, dass Gäste individuell auf dem Startbildschirm des Zimmer-TVs angesprochen werden. Gäste freuen sich über eine persönliche Begrüßung oder ein Video, das zeigt, was das Hotel oder die Umgebung zu bieten hat.

Wer weitere Folgen seiner Lieblingsserie genießen will, sollte über das Gerät Zugang zu den gängigen Streaming-Diensten bekommen, ebenso zu den Mediatheken der großen Sender. Gäste, die von einem Ausflug zurückkehren, können via Media Player ihre Fotos gleich auf dem großen Bildschirm bestaunen. Auch die Speisekarte, City-Infos, das Kinoprogramm und andere Angebote sollten über das Hotel-TV bequem zugänglich sein.

Telefunken H43V32 Smart TV 1
Foto: Telefunken

TV-Hersteller sind auf Hotel-TV spezialisiert

Logisch, dass die meisten großen Hersteller wie Samsung, Panasonic und LG angesichts des großen Marktes spezielle Fernseher für den Einsatz im Hotel im Portfolio haben. Zeitgemäße Geräte sind für jedes mögliche Empfangssignal gerüstet, ob Kabel, Satellit, Antenne oder IP, sie kommen ohne externe Set-Top-Boxen und lästige Extra-Verkabelungen aus.

Sie verfügen über einen Hotelmode – das Installationsmenü ist geschützt. So ist sichergestellt, dass TV-Sender nicht aus Versehen vom Gast wegprogrammiert werden können. Das Personal muss so keine Zeit mit Geräte-Einstellungen vergeuden. Die Maximallautstärke ist begrenzt eingestellt, damit andere Gäste ruhig schlafen können. Außerdem bietet der Standard-Hotelmode eine Weckfunktion.

Erweiterter Hotelmode mit »USB-Cloning«

Mit einem Speichermedium (z. B. USB-Stick) werden die kompletten Einstellungen eines Hotel-TV-Gerätes schnell und unkompliziert auf alle anderen TVs des gleichen Typs übertragen: Stick einstecken, Set-up übertragen – erledigt! Damit sind alle TVs über USB auch updatefähig. Der Aufwand für Programmierungen wird damit erheblich reduziert. Eine iTV-Systemschnittstelle bietet die Möglichkeit, interaktive Systeme, Pay-TV und Computerspiele per Fernbedienung zu nutzen. Um das zu ermöglichen, wird ein System-Modul am bzw. im TV installiert, das die Kommunikation zwischen dem TV und dem Zentralserver des Hotels herstellt. Dadurch kann der Gast zum Beispiel seine Hotelrechnung auf dem Bildschirm abrufen oder via Express-Check-out ohne Rezeptions-Procedere das Hotel verlassen.

Gäste lieben riesige Bildschirme

»Die Bildschirme auf Hotelzimmern sind auf jeden Fall größer geworden in den letzten Jahren«, sagt Jana Mager. »Vor ­einigen Jahren waren 32 Zoll Standard, es sind deutlich mehr geworden. Ein großer Fernseher sei für jeden Hotelgast ein Highlight. »Insbesondere in hochwertigeren Hotels und Suiten erwarten die Gäste 55 Zoll und mehr.« Es kommt also letztendlich – zumindest bei diesem Thema – nicht nur auf die inneren Werte, sondern tatsächlich auch auf die Größe an.
Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.

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