Schweizer Grande Dame
Foto: Beau-Rivage Palace

Schweizer Grande Dame

Das Beau-Rivage Palace als Leuchtfeuer stolzer Schweizer Hoteltradition

von Karoline Giokas
Freitag, 12.11.2021
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Restaurant
Hier werden Tradition und Moderne eindrucksvoll in harmonischen
Einklang gebracht. Foto: Beau-Rivage Palace

Es wird als Crème de la Crème der Lausanner Hotels gehandelt, zählt zu den prestigeträchtigsten Hotels weltweit und erhielt im Jahr 1999 von der Landesgruppe Schweiz des Internationalen Rates für Denkmalpflege Icomos eine Auszeichnung als »Historisches Hotel des Jahres« – die Rede ist vom Traditionshaus Beau-Rivage Palace, das im Lausanner Quartier Ouchy direkt am Ufer des Genfersees liegt. Lediglich zehn Minuten von der pulsierenden Innenstadt entfernt, lädt es seit seiner Eröffnung im Jahr 1861 internationale Gäste mit seiner einzigartigen Atmosphäre zu einem entspannten Aufenthalt ein.

schön angerichtetes Essen
Foto: Beau-Rivage Palace

Damals noch als kleiner Fischerhafen, erhielt der Lausanner Vorort Ouchy schnell hohe Aufmerksamkeit, denn die englische Familie Allott bewies ein gutes Händchen, als sie dort Mitte des 19. Jahrhunderts ein vier Hektar großes Grundstück erwarb, um darauf ein Hotel zu bauen. Das erste Luxushotel unter der Führung von Hoteldirektor Alexandre Rufenacht war schon bald über die Region hinaus dafür bekannt, seinen Gästen exzellenten Komfort, Ruhe und Wohlbefinden zu bieten – und wurde damit zu einer der beliebtesten Adressen entlang des Genfersees, ja sogar zum Eldorado für die aristokratischen und bürgerlichen Eliten Europas.

Zwei Barkeeper shaken einen Cocktail
Foto: Beau-Rivage Palace

Tradition in Bewegung

Ursprünglich bestand das Hotel aus nur einem Flügel, dem Beau-Rivage-Flügel. 1908 stieß es aber bereits an seine Kapazitätsgrenzen und man investierte daher in einen zweiten Gebäudekomplex, einen weiteren Flügel, der durch eine imposante Rotunde mit Renaissance-Dach mit dem bereits bestehenden verbunden wurde – in diesem Zuge änderte sich der Hotelname zum heutigen Beau-Rivage Palace.

Aussicht auf die Terrasse
Foto: Beau-Rivage Palace

Dem damaligen Direktor Jacques Tschumi wird nachgesagt, von Ehrgeiz getrieben, einen Schritt weg vom Konventionellen hin zu Innovation gewagt zu haben. Ihm sei es gelungen, im Zuge des Erweiterungsbaus die einzigartige Atmosphäre des luxuriösen, historischen Anwesens aus dem 19. Jahrhundert meisterhaft von der Tradition in die Moderne zu leiten und zukunftsweisend weiterzuentwickeln. Nicht zuletzt gründete Tschumi 1893 hierfür auch die renommierte Hotelfachschule École Hôtelière de Lausanne, um exzellentes Hotelpersonal auszubilden, das den Erwartungen der Kundschaft gerecht werden kann. Heute kümmern sich bei einer jährlichen Auslastung von rund 65 Prozent rund 400 Mitarbeiter um die Bedürfnisse der Gäste.

Hochzeit von Phil Collins
Das Beau-Rivage Palace ist eine beliebte Eventlocation ‒ auch bei Promis.
Foto: picture-alliance / dpa | epa Keystone Fabrice Coffrini

Schillernde Persönlichkeiten zu Gast

Was seine Gäste angeht, ranken sich um das Beau-Rivage Palace Legenden – hat es doch mit der Unterzeichnung his­torischer Verträge Sternstunden der Menschlichkeit »erlebt« und Künstler auf der Suche nach Inspiration, Königsfamilien und Prominente in seinen Räumlichkeiten begrüßt. So durchstreiften einst gekrönte Häupter und Staatsmänner, Filmstars und Künstler, Schriftsteller und Sportler die Korridore des altehrwürdigen Hauses – wenn die Mauern des majestätischen Baus reden könnten, hätten sie sicherlich 1001 Geschichten zu erzählen.

Zimmer
Foto: Beau-Rivage Palace

»Unser Palast hat in seinen 160 Jahren Geschichte alle Berühmtheiten der Welt begrüßt«, erzählt Generaldirek­torin Nathalie Seiler-Hayez, selbst Ab­solventin der École Hôtelière de Lausanne, stolz. Kein ­Geringerer als beispielsweise Charlie Chaplin verbrachte hier zusammen mit seiner Frau Oona seine erste Nacht in der Schweiz im Beau-Rivage Palace, als das Paar 1952 seinen Wohnsitz hierherverlegte, Coco Chanel genoss 1985 einen theatralischen Auftritt zur Mittagszeit und Jahrhundertautor Georges Simenon hinterließ im Gästebuch einen unvergänglichen Eintrag, in dem er das Beau-Rivage als Ort bezeichnet »wo alles getan wird, damit Sie sich wie zu Hause fühlen«.

Hotelgäste sitzen vor einen japanischen Koch
Foto: Beau-Rivage Palace

Architektonische Zeugen der Vergangenheit

Bis heute hat das imposante Hotel am Genfersee nichts von seinem Glanz verloren. Allein die romantische Lage des historischen Seepalasts, eingebettet in einen eigenen vier Hektar großen Park, von alten Zedern gesäumt und mit spektakulärem Blick auf die französischen und Schweizer Alpen, kurbelt schon die Fantasie an. Sobald sich die Tür zum Beau-Rivage Palace öffnet, betritt man eine andere Welt. Das fünfstöckige Hotel schafft es, seine ursprüngliche Pracht stilvoll mit modernem Luxus zu verschmelzen.

Die Weltweit beste Hotelschule, die École Hôtelière de Lausanne, wurde 1893 gegründet, um das Personal des Beau-Rivage Palace auszubilden.

Bereits in der eindrucksvollen Lobby, in der man durch den Portier vom Gepäck erlöst wird, ist man sprachlos. Ein Oberlicht scheint hier von der Decke auf vier Etagen und verleiht dem filigran geschwungenen Eisengeländer mit seinen goldenen Besätzen beeindruckenden Glanz. Im gesamten Erdgeschoss hängen üppig brillierende Kronleuchter zwischen den Steinsäulen, wohin das Auge reicht, ist glänzender Marmor im Überfluss zu sehen. In der Mitte des Hotelkomplexes trennen der Rundbau der »La Rotonde« und der berühmte Ballsaal »Salle Sandoz« das Hotel in die beiden von Achille de la Harpe und Jean-Baptiste Bartholoni entworfenen Flügel. Auf der einen Seite befindet sich das 1861 erbaute Beau-Rivage, auf der anderen Seite das 1908 erbaute Palace.

Unter der Führung der Sandoz-Familienstiftung wurden seit 1993 immer wieder umfangreiche Renovations­arbeiten durchgeführt, ohne dass jemals die Seele des Hotels verletzt worden wäre, die aber stets die Annehmlichkeiten der Gäste zum Ziel hatten. Auch deshalb wird das Beau-Rivage Palace oft als »La Tradition en Mouvement« (Tradition in Bewegung) bezeichnet. »Unsere Gäste sind Globetrotter und erwarten bei uns alles andere als ein staubig-historisches Hotel – sie wünschen sich einen Aufenthalt, der durch unsere innovativen, zeitgemäßen Konzepte zum Erlebnis wird«, bestätigt Seiler-Hayez, die seit sechs Jahren die Geschicke des Hauses leitet.

Essen mit Stäbchen
Foto: Beau-Rivage Palace

Stilvoll übernachten

Seit 2010 ist eine Totalerneuerung im Gange, in deren Rahmen das weiträumige Erdgeschoss sowie 170 Zimmer, davon 34 Suiten, so originalgetreu wie möglich restauriert werden – insgesamt 27 Millionen Schweizer Franken investiert die Stiftung in dieses Unterfangen. Bis zum Frühjahr soll auch die Umgestaltung der letzten Zimmer im Palace-Flügel abgeschlossen sein. Verantwortlich hierfür zeichnet der talentierte Innenarchitekt und Stardesigner Pierre-Yves Rochon, der sich bereits mit der Renovation diverser traditioneller Grandhotels wie des Savoy in London, des Four Seasons Georges V in Paris und des Grand Hôtel du Lac in Vevey bewiesen hat.

»Unser Haus arbeitet seit vielen Jahren mit ihm zusammen, denn er hat ein Gespür dafür, Traditionelles in moderner, harmonischer Leichtigkeit luxuriös aufzubereiten, ohne dabei das Wesentliche aus den Augen zu verlieren – die unser Haus umgebende Natur und den damit verbundenen spektakulären Blick auf den Genfersee, auf den so ziemlich jedes unserer Zimmer ausgerichtet ist«, erklärt die Hotel­direktorin. Statt auf jede Menge Bling-Bling trifft der Gast in den neu gestalteten Zimmern des Beau-Rivage Palace künftig auf edelste Materialien in zarten Pastelltönen. Für das Design spielten die Omnipräsenz des Sees und die Lichteinstrahlung eine bedeutende Rolle. So setzt der Designer beispielsweise ein Spiegelspiel in jedem Raum ein, das den See und das Licht in die Zimmer bringt und den Raum damit illuminiert. Die Auswahl der Farbtöne ist auf die Inspiration durch natürliche Landschaftsfarben zurückzuführen. Drei Farben setzen den Hauptton: Die Juniorsuiten sind in einem warmen und harmonischen Grün, die Doppelzimmer in leichtem Beige und Himmelblau gehalten.

Großer Saal
Foto: Beau-Rivage Palace

In den Badezimmern zieren kunstvolle Mosaike die Böden, die abgeschrägten Spiegel sind von geschliffenen floralen Ornamenten besetzt, zugleich sind darin 25 cm große TV-Bildschirme integriert. Mit ihren Glasdecken wirken die Badezimmer wie eine Verlängerung des Salons mit einer maximalen Nutzung des Tageslichts. In einigen Zimmern wurden zudem transparente Wände zwischen Bade- und Schlafzimmer eingezogen, um diesen Effekt noch zu verstärken – damit gehört die großartige Sicht von der Badewanne über den See sicherlich zu den USPs der neuen Zimmer.

Wer in den geschichtsträchtigen Gemäuern des ­Luxushotels übernachten möchte, hat die Qual der Wahl: Es gibt fünf verschiedene Zimmertypen, darunter 26 Juniorsuiten und acht Suiten. Jede hat ihre eigene Besonderheit. So besitzt beispielsweise die Suite Impériale eine rund 80 m² große Terrasse – natürlich inklusive Panoramablick auf den See. Die La-vaux-Suite gewährt einen eigenen Zugang über die einzige Dachterrasse des Hotels und die 85 Quadratmeter große Spa-Suite ist speziell für den Wellness-Aufenthalt konzipiert, besteht daher aus einem Wohnbereich, einem Schlafzimmer und einem äußerst geräumigen Badezimmer mit gesondertem Wellnessbereich plus Hammam.

Anne Sophie Pic
Detailverliebte Gourmetkunst im Restaurant von Anne-Sophie Pic.
Foto: Beau-Rivage Palace

Gaumenfreuden auf Sterne-Niveau

Erstklassig sind im Beau-Rivage Palace auch die lukullischen Genüsse: Das Angebot ist mit vier Gourmet- und Casual-Restaurants sowie zwei Bars groß und bietet vom Sterne-­Restaurant über die elegante Brasserie bis hin zur japanischen Gastronomie für alle Geschmäcker das Richtige. Das Aushängeschild des Hauses ist das »Anne-Sophie Pic au Beau-Rivage Palace«, das sich mit zwei Michelin-Sternen und 18 Gault-Millau-Punkten schmückt.

Ob Politiker wie John Kerry und Margaret Thatcher, Filmstars wie Sophia Loren oder Modelegenden von Gabrielle Chanel bis Pierre Cardin – die Gemäuer des Beau-Rivage Palace waren schon stille Beobachter von vielen Berühmtheiten. Beliebt ist das Hotel vor allem als Location
für jegliche Formen von Feierlichkeiten. So begingen beispiels­weise auch der britische Popstar Phil Collins und seine Braut Orianne Cevey ihre Hochzeit am 24. September 1999 in dem Lausanner Luxushaus. Sie gaben sich bei einer religiösen Zeremonie auf einer Terrasse des Hotels das Jawort.

Weil die Namensgeberin des Restaurants, 3-Sterne-Köchin Anne-Sophie Pic, weiterhin in Frankreich tätig ist, legt sie ihre Kreationen vertrauensvoll in die Hände von Kévin Vaubourg. Pic und Vaubourg arbeiten eng mit regionalen Produzenten zusammen und bieten Geschmackskombinationen voller Emotionen. So enthält das Menü »Pic Collection« Klassiker der Familienküche wie die »Berlingots«, eine Art Ravioli mit einer moitié-moitié-Fonduemischung und einem Schuss Kirsch, oder den »Bar de ligne«, einen Fisch mit reichlich Kaviar als Hommage an Vater Jacques Pics Rezept aus dem Jahr 1971. Passend zur ausgezeichneten Küche beeindruckt der hoteleigene Weinkeller, der mit rund 3.000 Weinsorten und 75.000 Flaschen selbst den anspruchsvollsten Weinliebhaber fasziniert.
Im Miyako Lausanne, dem japanischen Restaurant, wird das Beste serviert, was die Küche des Landes der aufgehenden Sonne zu bieten hat. Sushi und Sashimi kommen frisch zubereitet auf den Teller – wer will, kann den japanischen Küchenchefs dabei zusehen, wie sie an der Teppanyaki-Kochstation mit geübten Handgriffen besondere Gerichte zaubern.

Das Café Beau-Rivage ist seit rund 30 Jahren als eine wahre Institution bekannt und empfängt in raffiniertem und ungezwungenem Ambiente Urlauber, Ruhesuchende, Geschäftsleute und gerne wiederkommende Familien. Mit Beginn der warmen Jahreszeit ist die Terrasse nahe den Bäumen und dem Genfersee unangefochten der Lieblingsplatz der Gäste. Doch der Charme des Innenbereichs lässt das Herz all jener höherschlagen, die elegante Brasserien schätzen.

Italienische Küche gibt es gleich nebenan, im angrenzenden Hôtel Angleterre & Résidence, das auch zum BeauRivage gehört. Hier kocht Andrea Gaia im Restaurant L’Accademia Klassiker wie Linguine alle vongole, aber auch raffinierte Kreationen wie eine Krustentier-Terrine mit »falschen« Rüebli (Ricotta), ein Tuna-Carpaccio oder ein »Raviolo aperto« (hauchdünne Teigblätter, Jakobsmuscheln, Kartoffel­crème, schwarzer Trüffel). Unbezahlbar ist auch hier die Panoramaaussicht vom Frühstücksrestaurant aus.

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