Moin Hamburg
Foto: Andreas Vallbracht prachtvoll.de

Moin Hamburg!

Ein Blick hinter die Kulissen des Hamburger Luxushotels The Fontenay

von Gabriele Gugetzer
Montag, 21.11.2022
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Sie sind schon ein stieseliges Völkchen, diese Hanseaten – die Autorin spricht aus 30 Jahren Lebenserfahrung. Wer hier nicht seit drei Generationen ansässig ist, wird in gehobenen Kreisen überaus höflich und ebenso geflissentlich ignoriert. Am Anfang ging’s The Fontenay ebenso. Vorher stand an gleicher Stelle, neben dem Amerikanischen Generalkonsulat und inmitten ganzer Straßenzüge mit Prachtarchitektur, ein InterContinental. Das war berühmt für seine Dachgartenbar und später die Tatsache, dass der Bau schon nach wenigen Jahrzehnten so sehr in die Jahre gekommen war, dass die Abrissbirne anrücken musste. 

Hotelbar
Fotos: The Fontenay

Planung und Bau des Fontenay zogen sich über mehrere Jahre hin. Als es im März 2018 endlich die Pforten öffnete, staunte die Stadt ausgiebig über die Architektur. Irgendwie an eine Amöbe erinnert der Bau von Störmer, Murphy and Partners. Das lichtdurchflutete, elegante Atrium verschlug selbst luxusverwöhnten Hanseaten die Sprache, und die Art, wie sich die Hotelmauern durchs Alstervorland winden, entlang eines oft jahrhundertealten Baumbestands, nun, das hatte man noch nicht gesehen. Aber Hamburg war zu dieser Zeit der Würfelarchitektur in der neuen Hafen-City verfallen. Während Gäste aus der Schweiz und Skandinavien von Beginn an kamen, ließen sich die Hanseaten erst bitten.

Mittlerweile kommen auch sie in die Dachterrassenbar und haben den Einsterner „Lakeside“ entdeckt. Das Hotelrestaurant „Parkview“ ist zum Business Lunch von Werbeagenturen und anderen Kreativbüros bevölkert, die in diesem gleichermaßen schönen wie sündteuren Stadtteil ihre Work Spaces haben. Während direkt an der Alster auf der anderen Straßenseite das sportliche Leben tobt, Jogger keuchen, Rennradler pöbeln, Yogamatten und Großfamilien den Weg versperren, ist es nicht nur drinnen im Hotel luxuriös ruhig. Auch auf den Terrassen geht es entspannt zu. Kaum vorstellbar, dass die Innenstadt nur zwei Bushaltestellen entfernt liegt.

Jedoch: Ruhe, Schönheit, Kulinarik und ein zauberhafter Spa-Bereich mit Infinity-Pool ... das kann man schon erwarten bei solchen Übernachtungspreisen. Was macht das Haus so besonders?

Terrasse im The Fontenay
Auf rund 500 Quadratmetern bietet die Fontenay Bar im sechsten Stock des Hotels Weitsicht und Entschleunigung zugleich. Das 320° Panorama ist Hansestadt pur, die Terrasse spektakulär. Fotos: The Fontenay

Service, Service, Service

Wenn der Room­service am Sonntagnachmittag (Test!) ein auf den Punkt zubereitetes Club Sandwich schickt und sich der Service als 16-Jährige, am Beginn ihrer dualen Ausbildung stehend, identifiziert, die freundlich und auf Augenhöhe Konversation macht und Fragen zur Weinbegleitung kundig beantwortet, dann, ja, dann hat der Arbeitgeber eindeutig was richtig gemacht. Aus zwei Gründen: Solches Humankapital kann man mit Geld gar nicht kaufen. Deshalb erwarten es die Gäste bei Übernachtungspreisen ab 400 Euro aufwärts irgendwie auch. Überdies ist jeder Teenager, der realisiert hat, dass eine Ausbildung in einem Haus wie The Fontenay ein Türöffner für die große weite Welt ist, ein Geschenk für den Arbeitgeber. 

Aber auch das ist Service, Service, Service: The Fontenay leistet sich drei Concierges. „Als TripAdvisor ein Thema wurde, haben wir uns in der Branche gefragt, ob wir jetzt bald keine Jobs mehr haben“, erinnert sich Jan Riepen. Der 43-Jährige ist Head Concierge und Member der Les Clefs d’Or. Für den Begriff Urgestein ist der gelernte Hotelfachmann – claro – zu jung, aber er ist seit Beginn an Bord, und er kennt Hamburg wie seine Westentasche. Die Ausbildung absolvierte der gebürtige Juister im Louis C. Jacob, schon so lange beliebt bei den Hanseaten, dass ein Bild der Hotelterrasse vom Impressionistenmaler Max Liebermann in der Hamburger Kunsthalle hängt. (Scrollen Sie gern auf den zweiten Satz hoch, das genau war damit gemeint.) Danach ging’s für Riepen ins Riesenrad des Park Hyatt mitten in die Stadt. 

Hotelzimmer
In den trapezförmig geschnittenen Zimmern ist nichts von der Stange, alles Handarbeit – von der Auslegeware bis zur digitalen TV-Technik. Fotos: The Fontenay

The Fontenay ist anders, ist eine „eigene geschützte Welt“, ideal gelegen für Ausflüge, auch weiter in Richtung Meer oder Restauranterkundungen. Genau bei solchen Themen laufen die Concierges zu Hochform auf. „Im Gegensatz zu meinen Kollegen in der Küche ist für uns die Auslandserfahrung kein Muss“, sagt Riepen. „Ich muss meine Stadt und jeden Oberkellner kennen. Wir wissen, zu welcher Uhrzeit ein szeniges Restaurant auch für ältere Semester angenehm ist, wann eine Alsterrundfahrt besonders schön ist, was an kulturellen Highlights und Geheimtipps läuft. Und wir brauchen Menschenkenntnis.“ Äh, wieso? „Wenn ein Gast eine Empfehlung für ein Restaurant wünscht, muss ich mit einem Blick erfassen, was ihm gefällt.“ (Trefferquote bei der Autorin: 100 Prozent. Bei etwa 700 möglichen Alternativen.)

Okay, aber die Jüngeren besorgen sich doch ihre Konzert­tickets selbst und sind handyaffin. „Sind wir auch, das erwarten die natürlich“, sagt Riepen. „Aber genau deshalb, weil wir passgenau für den Gast Empfehlungen aussprechen können, war TripAdvisor für uns nie eine Gefahr. Wir bieten das Unverwechselbare“ und meint damit, dass ein Gast in einem Hotel wie dem Fontenay jede Minute gefüllt haben möchte und zwar sinnvoll. Das sei auch der Pandemie geschuldet. „Wenn man jetzt unterwegs ist, dann schon richtig. Der Wunsch, etwas zu erleben, ist nach Corona stark gewachsen.“

Atrium in der Lounge
Das lichtdurchflutete, elegante Atrium mit seiner Lounge verschlägt Gästen oft den Atem. In dem 27 Meter hohen Raum kann man sich auf dem 25 Meter langen, halb runden Sofa oder in verschiedenen Sitzgruppen ganz entspannt zurücklehnen. Fotos: The Fontenay

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