Zu Gast im Fraser Suites Hamburg
Foto: Fraser Suites Hamburg

Luxusurlaub in Hamburgs einstiger Steuerbehörde

Zu Gast im Fraser Suites Hamburg

von Kristina Presser
Freitag, 08.11.2019
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Das Staunen beginnt schon in der Empfangshalle des alten roten Backsteingebäudes am Hamburger Rödingsmarkt. Sie ist zweistöckig und großflächig mit rotbraunem Marmor verkleidet. Wuchtige Säulen tragen das obere Geschoss, von dem aus man balkonartig hinunter ins Foyer blicken kann. Zu beiden Seiten winden sich weite Treppenaufgänge nach oben. Die hohe weiße Kassettendecke und Wände sind mit Stuck und Zierleisten geschmückt. Bronzene Laternen und Kronleuchter hüllen alles in warmes Licht. Der Raum ist riesig und wirkt beinahe herrschaftlich. Überall laden gemütliche Chaiselongues und Sessel in hellen Creme-, Grau- und Blautönen zum Verweilen ein, Teppiche und die goldfarbenen Paravents sind mit floralen Mustern im Art-déco-Stil verziert. Ein Anblick wie aus vergangenen Zeiten. Und doch nicht ganz. Willkommen im Fraser Suites Hamburg – der neuen Luxusdestination der Hansestadt.

Erst im Mai 2019 hat die außergewöhnliche Residenz der Fraser Hospitality eröffnet, jetzt im September die offizielle Fünf-Sterne-Superior-Auszeichnung erhalten. Es ist das erste Haus einer asiatischen Hotelgruppe in Hamburg, das erste Fraser Suites in Deutschland und sogleich neues Flagship-Hotel der Marke in Europa. Wo seine Geschichte beginnt, wird die des Gebäudes jedoch nur weitererzählt. Denn der markante Backsteinbau mit bogenförmig-geschwungener Fassade ist in Hamburg schon lange Teil des Stadtbildes und steht unter Denkmalschutz. Und genau darin lag auch die große, teils unterschätzte Herausforderung für alle Beteiligten, die dem alten Gemäuer mit der aufwendigen Umwandlung in einen Hotelkomplex erster Güte neues Leben einhauchen wollten. Vergangenheit und Moderne gehen hier untrennbar Hand in Hand. Daher lässt sich nicht über das Fraser Suites Hamburg sprechen, ohne die Geschichte des Gebäudes miteinzubeziehen, die sichtbar das Wesen des Hotels prägt.

Herausforderungen des Denkmalschutzes

Erbaut wurde das architektonische Kleinod noch zur Zeit des Kaiserreichs, zwischen 1907 und 1910. Die Bombardements des Zweiten Weltkrieges bestand es fast unbeschadet, sodass es heute eines der wenigen erhaltenen Vorkriegsgebäude der Stadt ist. Die letzte große Renovierung fand in den 1950er-Jahren statt. Während all der Jahrzehnte wurde der Bau als Sitz der Hamburger Steuerbehörde genutzt und ist noch immer unter dem Namen »ehemalige Oberfinanzdirektion« stadtbekannt. Diese geschichtsträchtige Vergangenheit war mit ausschlaggebend dafür, dass sich Fraser Hospitality für genau diese Adresse entschieden hat – abgesehen von der Top-Lage im Herzen Hamburgs. Denn die enge Verwobenheit zwischen einem Gebäude und seiner Stadt spielt eine große Rolle bei allen Fraser-Suites-Häusern.

Eine Finanzbehörde blieb das Haus bis kurz vor seinem Verkauf und dem folgenden Planungsbeginn der umfangreichen Renovierungsarbeiten im Jahr 2015. Drei Jahre sollten diese dauern. Das Design-Konzept: »Wir wollten die Geschichte des Hauses wieder zum Leben erwecken«, sagt Hoteldirektor Olivier Briand. Einerseits also den Zeitgeist des Gebäudes bewahren, andererseits modernen Luxus bieten und herzlich willkommen heißende Gastlichkeit ausstrahlen. Gar nicht so einfach bei einem Finanzamt. Zumal die Denkmalschutzbehörde vorgab, dass die Fassade, feste Innenraumgestaltung und -aufteilung so gut wie nicht verändert werden durften. »Trotzdem mussten natürlich die moderne Haustechnik durch die klassischen Stuckdecken geführt und Tausende von Kabeln durch geschlitzte Wände gezogen werden. Die Erfordernisse moderner Hotelstandards mussten eingehalten werden«, erklärt Peter Joehnk, Geschäftsführer des Hamburger Innenarchitektur-Büros JOI-Design, das mit der Renovierung und Gestaltung beauftragt wurde.

Architektonische Machtgebärden eines Finanzamts
Foto: Christian Kretschmar für JOI-Design

Architektonische Machtgebärden eines Finanzamts

Daher arbeitete man eng mit dem Denkmalschutz zusammen, einigte sich auf Kompromisse. Viele historische Elemente wurden behutsam in das neue Design integriert, wie zum Beispiel die sechseckigen Bodenkacheln in den Fluren, originale Deckenleuchter, die entweder restauriert oder identisch repliziert wurden, und Holzarbeiten wie etwa Wandverkleidungen aus den anbahnenden 1920er-Jahren. Es ist diese unglaubliche Detailvielfalt, die den Charme des Gebäudes ausmacht, schwärmt der Innenarchitekt.

Gleichzeitig war die Originalausstattung, vor allem in der großen Empfangshalle, naturgemäß darauf ausgelegt, die Autorität des Staates auszustrahlen – und so wohl auch ein wenig respekteinflößend auf die Bürger zu wirken. Das spiegelt sich unter anderem in dem vielen dunklen Marmor und bronzenen Lorbeerkränzen wider. »Weniger charmant«, gibt Peter Joehnk zu. »Die strenge Eingangshalle war gestalterisch sicherlich die große Herausforderung.« Um darin ein leichtes, einladendes Ambiente zu schaffen, entschied man sich für einen goldenen, geschwungenen Rezeptionstresen. Über ihm zieht sich entlang der Decke ein Leuchter aus vielen, an Fäden baumelnden goldenen Blättern, die in der Luft zu schweben scheinen und das warme Licht reflektieren. Die Sitzmöbel und Teppiche sind in dezenten Grau- und Blautönen gehalten, was nicht nur einen wunderbar funktionierenden Kontrast zum dunklen rotbraunen Marmor bildet, sondern auch für das maritime Hamburg steht. Die Teppiche spielen außerdem mit der großen Ornamentik der 1920er-Jahre – eine Mischung aus Art déco und Jugendstil. »Ein technisches Detail«, wie der Designexperte verrät, »waren die geschwungenen Flure, wo wir unbedingt ein geometrisches Art-déco-Muster in den Teppich eingewoben haben wollten, welches sich dann aber über ca. 50 Meter der Biegung des Gebäudes anpassen musste.«

Wohnen in ehemaligen Büros

Ähnliche Kompromissbereitschaft forderten die Zimmer – die ehemaligen Büros der Oberfinanzdirektion. Da alle originalen Zugangstüren aus Holz denkmalgeschützt sind und somit erhalten bleiben mussten, setzte man unter großem Aufwand jeweils eine zweite, moderne und funktionale Tür dahinter. Die Zimmernummern wurden speziell aus Messing angefertigt, in ihrer Form inspiriert vom Gatsby-Style. Und das war lange nicht alles. »Was wir völlig unterschätzt hatten, war die Individualität der einzelnen Räume«, sagt Peter Joehnk rückblickend, »auch nach der Renovierung. Bei 154 Suiten hatten wir 98 verschiedene Typen.« Zum Vergleich: Bei einem Hotelneubau sind es bei rund 250 Zimmern etwa fünf.

Die Inneneinrichtung der Räume erfolgte bei allen nach demselben Schema: dem Sujet der klassischen, großbürgerlichen Hamburger Wohnung, wie es der Interior-Designer beschreibt. An den Decken befindet sich überwiegend Stuck, vor Bad und eingebauten Schranksystemen setzte man kassettierte, weißlackierte Holzeinbauten. Das Design der Stoffe, Möbel und Accessoires ist im Stil der 1920er, 1950er und in zeitgenössischen Formen gehalten. Kurz: eine harmonische Mischung aus allen architektonisch wichtigen Umbruchphasen des Gebäudes. Der Gast soll sich hier »zu Hause« fühlen. Im wahrsten Sinne, denn die Suiten sind nicht nur für den üblichen Hotelgast gedacht, sondern richten sich auch an Geschäftsreisende mit längerem Aufenthalt in Hamburg. Daher enthalten fast alle Zimmer eine vollausgestattete Küchenzeile – abgesehen von 22, in denen es der Grundriss nicht zuließ und die als klassische Hotelzimmer genutzt werden. Und auch auf die modernste Technik muss der Gast selbstverständlich nicht verzichten, wie Olivier Briand erklärt: »In den Räumen finden Sie die aktuellsten Gadgets wie Wi-Fi, Highspeed-Internet, das im Fernseher installierte Chromecast-System für On-Demand-Services über das Smartphone, Qi-Ladegeräte. Alles, was den modernen Erwartungen der Gäste entspricht und einen Aufenthalt angenehm macht.«

Von der Kassenhalle zum Restaurant
Foto: Fraser Suites Hamburg

Von der Kassenhalle zum Signature-Restaurant

Mehr als nur angenehm ist es inzwischen auch in der ehemaligen Kassenhalle der Oberfinanzdirektion, die in den 1950er- Jahren eingerichtet wurde. Der große länglich-ovale Raum befindet sich im Zentrum des Gebäudes und ist jetzt das Restaurant The Dining Room. Hier wird gefrühstückt und zu Mittag gegessen, abends werden À-la-carte-Signature-Gerichte serviert. Dazu gibt es, inspiriert vom aktuellen Food-Pairing-Trend aus London, die passenden Cocktails – natürlich aus der Zeit von 1920 bis 2020, um dem Kontinuitäts-Konzept des Hauses treu zu bleiben. Gemütliche Atmosphäre verströmt dabei nicht nur gedämmtes Licht, sondern auch ein designtechnisches Highlight: die original hölzernen Bücherschränke, die umlaufend in die Wände eingebaut sind. Sie wurden vollständig restauriert und dienen nun zum Teil erneut als Bücherregale, verleihen dem Restaurant eine behaglich-wohnliche Atmosphäre.

Wer es nur auf einen Cocktail abgesehen hat, der muss nicht weit gehen. Denn im selben Raum befindet sich auch die freistehende O.V.A.L. Bar – nur durch einen goldfarbenen Sichtschutz im Art-déco-Stil vom Speisebereich getrennt –, in der auch die eine oder andere in Vergessenheit geratene Spirituose ihr kleines Comeback erfährt.

Ebenfalls ein Erbstück aus der Umbauphase in den 1950er- Jahren ist der ovale »Sitzungssaal der Deputation« samt Inneneinrichtung. Der Raum ist voller historischer Details, alles ist denkmalgeschützt. Daher beließ man ihn nach der Restaurierung in seinem Originalzustand, erneuerte lediglich die Lederbezüge des großen hölzernen Tisches und schweren Gestühls. So dient er Businessgästen erneut als Arbeitsplatz und Konferenzraum – und als moderner noch dazu. Denn natürlich hat man auch hier nicht auf neueste Technologien verzichtet. In diesem, wie auch in den anderen beiden der insgesamt drei Tagungs- und Eventräume des Hotels gibt es sowohl Highspeed-WLAN als auch eingebaute audio- und visuelle Konferenztechnik. So fügt sich auch hier alles nahtlos zusammen, bildet eine Einheit mit dem Rest des Hauses, ist alt und neu zugleich. Zur Entspannung nach einem arbeitsreichen Tag geht es anschließend am besten in die hoteleigene Bibliothek oder Fitness-Suite.

Oliver Briand
Olivier Briand,
General Manager des
Fraser Suites Hamburg.
Fotos: Fraser Suites
Hamburg

Je mehr man sich mit dem Haus beschäftigt, umso deutlicher wird, dass die Frage nach einem Herzstück beinahe obsolet ist. Man kann sie nur sehr schwer beantworten – aber dann doch auch ganz leicht: »Alles«, sagt Olivier Briand. »Alles ist besonders. Das Haus ist einzigartig, es gibt kein anderes Hotel wie dieses in der Stadt.« Mit dem Schritt durch die alte zweiflügelige Holztür hinein in das Fraser Suites Hamburg begibt man sich tatsächlich auf eine kleine Zeitreise durch das vergangene Jahrhundert. An jeder Ecke gibt es etwas zu entdecken. Überall herrscht eine Balance zwischen historischen Elementen und zurückhaltender, zeitgenössischer Einrichtung. Geschichte wird greifbar. Man kann nur staunen.

Daten & Fakten zum Fraser Suites Hamburg

  • Wo: im Zentrum Hamburgs (Rödingsmarkt)
  • Was: 5-Sterne-Superior-Haus der Fraser Hospitality; Fraser-Suites-Flagship in Europa
  • Seit wann: Eröffnung im Mai 2019
  • Das Besondere: Historischer Backsteinbau, errichtet zwischen 1907 und 1910, und einer der wenigen erhaltenen Vorkriegsbauten der Stadt; noch heute bekannt als ehemalige Oberfinanzdirektion; die Fassade und große Teile der Inneneinrichtung sind denkmalgeschützt
  • Zimmer: 154 Suiten (fast alle mit vollausgestatteter Küchenzeile) in den ehemaligen Mitarbeiterbüros der Steuerbehörde; auch für Langzeitgäste geeignet; neueste technische Ausstattung
  • Restaurant »The Dining Room«: À-la-carte- Signature-Restaurant – einstige Kassenhalle des Finanzamtes
  • Tagungs-/Event-Räume: insgesamt drei; teils mit restaurierter, denkmalgeschützter Originaleinrichtung, aber immer mit modernster Konferenztechnik
  • Stil des Hauses: ein gekonnter Mix aus den Goldenen Zwanzigern, den 1950er-Jahren und zeitgenössischen Formen

Mehr Infos unter:hamburg.frasershospitality.com/de

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