Jetzt rede ich!
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Die Rote Bete im Exklusiv- Interview

Jetzt rede ich!

von Sebastian Bütow
Dienstag, 21.01.2020
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In vielen osteuropäischen Ländern sind Sie ein Megastar, aus der Küche nicht wegzudenken. Borschtsch, die berühmte Suppe, gilt als russisches National­gericht. Hierzulande spielen Sie eher eine Nebenrolle. Wurmt Sie das eigentlich?
Moment mal! Ich bin schon lange kein Alte-Oma-Gemüse mehr. Jetzt erzähle ich Ihnen mal was. Kürzlich war ich in Berlin-Kreuzberg unterwegs, und was sehe ich da in einem wirklich hübschen Lokal, mit Kreide auf eine Tafel geschrieben? »Detox Smoothie«! Und jetzt raten Sie mal, was da drin war, in dem köstlichen Drink.

Ich tippe mal auf Rote Bete?
Bingo! Okay, Ingwer, Limetten, Apfel und Honig sind auch dabei, die sind aber nur Statisten. Darauf fahren die Leute da total ab. Wenn die morgens aus den Technoclubs torkeln, bringe ich sie wieder auf Trab. Was die wenigsten wissen, ist, dass ich ein Mega-Kopfschmerzkiller bin, und auch sonst ziemlich gesund. Von einer Nebenrolle kann nicht die Rede sein. Ich bin vielleicht nicht so allgegenwärtig wie Kartoffeln oder Karotten, dafür aber etwas ganz Besonderes!

Ganz besonders ist auf jeden Fall Ihre Farbe. Ihre Flecken werden mehr als gefürchtet!
Auf mein intensives Rot bin ich wahnsinnig stolz! Das habe ich dem Farbstoff Betanin zu verdanken, der in mir enthalten ist. In Zutatenverzeichnissen wird dieser auch E162 genannt. Als Lebensmittelfarbstoff wird Betanin für viele Leckereien verwendet, zum Beispiel für Erdbeereis oder Waldfruchtjoghurt. Wer mit mir in der Küche zu tun hat, dem empfehle ich Einmalhandschuhe – oder eingefettete Hände. Bei meinen Flecken hilft es, die Textilien in Backpulver einzuweichen. Auch Bleiche und Zitronensaft helfen!

Was steckt noch so in Ihnen?
Es würde hier den Rahmen sprengen, wenn ich Ihnen alles aufzähle, was mich zu einer der gesündesten Gemüsesorten überhaupt macht. Mein hoher Folsäure-Anteil schützt vor Herzinfarkten und Schlaganfällen. Meine Geheimwaffe ist das Betain in mir: Es wirkt wie ein Stimmungsaufheller, weil es den Serotoninspiegel erhöhen kann, also die Glückshormon-Ausschüttung.

Kürzlich bestaunten Sie Millionen Zuschauer im Fernsehen. In der Show »Das große Promibacken« begeisterte der Sänger Gil Ofarim mit einem Rote-Bete-Cheesecake.
Da sehen Sie mal, wie vielseitig ich bin. Wer glaubt, ich kann nur öko und gesund, irrt sich. Probieren Sie mal Rote-Bete-Schoko-Muffins! Mein erdiger Geschmack lässt sich wunderbar mit süßen Sünden kombinieren.

Bei der Vorbereitung auf das Interview fiel mir auf, dass Sie mal mit einem, mal mit doppeltem »e« geschrieben werden.
Solange es mich gibt, wird das auch weiterhin passieren. Es gibt Schlimmeres. Der Duden empfiehlt, mich mit einem »e« zu schreiben. Zumal mein Name mit »Beete« im Sinne von Gemüsebeet rein gar nichts zu tun hat. Beta ist das lateinische Wort für Rübe. Und ja, ich bin eine Rübe, wie auch meine geschätzten Verwandten, der Mangold und die Zuckerrübe.

Wie es sich für ein anständiges Kultgemüse gehört, gibt es die verschiedensten regionalen Bezeichnungen für Sie.
Jawohl! Rote Rübe zum Beispiel. In Teilen Österreichs, Bayern und Südbaden nennen sie mich den »Rahner«. Und in der Schweiz sagen sie »Rande« zu mir!

Lassen Sie uns über Ihre Geschwister sprechen. Eines muss man Ihrer Familie lassen, Sie bringen viel Farbe ins Gemüseregal.
In der Tat! Neben mir gibt es auch Gelbe und Weiße Bete, auch in unserer Form können wir sehr variieren. Neben den kugelrunden gibt es auch walzen- oder birnenförmige Rüben. 

Rote Bete, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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