Die Nürnberger Rostbratwurst im Exklusiv interview
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Die Nürnberger Rostbratwurst im Exklusiv- interview

Jetzt rede ich!

von Daniela Müller
Montag, 14.03.2022
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Es soll wirklich nicht despektierlich klingen, aber warum sind Sie eigentlich so klein?
Keine Sorge, damit kann ich leben! Es gibt zahlreiche Legenden und Mythen, warum ich nur maximal neun Zentimeter lang bin. Eine Legende besagt, dass ich so klein bin, damit Wirte mich auch während der Sperrstunde durch die Schlüssellöcher ihrer Gaststätten verkaufen konnten. Andere sagen, dass meine bescheidene Größe darauf zurückzuführen ist, dass ich nur so den Gefangenen in den Nürnberger Gefängnissen gereicht werden konnte, durch Löcher in den Wänden.

Das klingt ziemlich abgefahren. 
Das ist sogar historisch belegt. Ein Nürnberger Stadtrichter, der 1554 wegen Spionage und Veruntreuung in den Kerker geworfen wurde, verzehrte während seiner fast 40-jährigen Haft angeblich 28.000 Exemplare meiner Wenigkeit. Und wissen Sie was? Es gibt noch viel mehr Theorien! 

Ich bin ganz Ohr ...
Bereits im 16. Jahrhundert wurden höchste Qualitätsanforderungen über meine Herstellung erlassen. Um diese weiterhin sicherstellen zu können, sollen die Nürnberger Metzger notgedrungen mein Format geschrumpft haben. Denn ich darf eigentlich nur aus bestem Schweinelenden-Brät bestehen. 

Die handwerkliche Tradition Ihrer Zubereitung wurde kürzlich geadelt: Im November eröffnete das »Nürnberger Bratwurstmuseum« in der Bratwurstgasse (!). Wie fühlt sich das für Sie an?
Darauf bin ich natürlich sehr stolz. Ich bin ein zeitloser Genuss-Klassiker, der sich seit sieben Jahrhunderten behauptet! Ich finde es nur sehr schade, dass Ministerpräsident Markus Söder die Eröffnung geschwänzt hat. So ein bedeutendes Ereignis, und er erscheint einfach nicht! Ich weiß, dass er mich sehr schätzt, nicht umsonst ist der bayerische Ministerpräsident Schirmherr dieses prachtvollen Museums, das schon seit Jahren geplant war und nun endlich Realität geworden ist!

Sie haben noch einen anderen äußerst prominenten Fan.
Na klar, den Uli (Hoeneß, d. Red.). Der ehemalige Macher des FC Bayern gründete 1985 mit einem Partner die HoWe Wurstwaren-Produktion in Nürnberg, mittlerweile leiten seine beiden Kinder das Unternehmen. Hoeneß lässt keine Gelegenheit aus, um seine Liebe zu mir zu zelebrieren, das gefällt mir. Die produzieren bis zu vier Millionen Stück – pro Tag!

Als originale Nürnberger Spezialität sind Sie geschützt, aber Ihre Zutaten stammen gar nicht aus der Region, in der Sie letztlich hergestellt werden.
Das ist richtig. Aber nicht ungewöhnlich. Die Zutaten für Lübecker Marzipan kommen auch nicht aus Schleswig-Holstein. Traditionell war die Zucht von Schweinen in Nürnberg kaum möglich, sie wurden deshalb importiert. Auch heute bestimmt jeder Bratwursthersteller selbst, woher er das Fleisch bezieht. Ebenso stammen die weiteren typischen Zutaten wie Schafsdärme oder Majoran, welches ganz entscheidend ist für meinen typischen Geschmack, nicht aus Nürnberg, sondern teilweise aus dem Orient.

Seit 2003 sind Sie nach europäischem Recht geschützt. Warum war das ein wichtiger Schritt?
Dieses Wissen, die Kompetenz und die langjährige Herstellungstradition Nürnbergs bewahrt mich vor Missbrauch durch Hersteller, die all das nicht vorweisen können. Top-Spezialitäten wie zum Beispiel Champagner oder Parmaschinken schmückt neben dem offiziellen Zeichen der EU zusätzlich noch ein eigenes Original-Siegel. Das habe ich mir verdient, finden Sie nicht auch?

Absolut! Liebe Nürnberger Rostbratwurst, wir bedanken uns für das Gespräch.

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