Der Lebkuchen im Exklusiv Interview
Fotos: chictype via Getty Images

Der Lebkuchen im Exklusiv-Interview

Jetzt rede ich!

von Daniela Müller
Dienstag, 22.11.2022
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Ob Nürnberger Lebkuchen, Aachener Printen oder viele andere regionale Exemplare – seit Jahrhunderten verwöhnen Sie Ihre Fans, versprühen weihnachtlichen Zauber wie niemand sonst. Warum heißen Sie eigentlich Lebkuchen?
Dass ich für Lebensfreude stehe, ist eh klar, mit meinem Namen hat das allerdings nichts zu tun. Die Antwort auf Ihre Frage lässt sich ganz simpel beantworten: Das Wort Lebkuchen bezieht sich auf das Wort „Laib“, dieses wie­derum bezieht seinen Ursprung auf das lateinische „libum“, welches „Fladen“ bedeutet. Ich werde aber nicht überall so bezeichnet, in manchen Teilen Deutschlands heiße ich traditionell auch Magenbrot oder Pfefferkuchen.

In meiner Küche hängt noch ein Lebkuchenherz vom Münchner Oktoberfest. Kann man das eigentlich noch essen, oder ist das nur als Deko gedacht?
Meine lange Haltbarkeit ist eines der vielen Geheimnisse meines Erfolges! Wenn es nicht älter als zwei Jahre ist, wünsche ich Ihnen guten Appetit! (Lacht)

Sie blicken auf eine unfassbar lange Tradition zurück. Wann startete Ihre Karriere?
Ich war schon in der Antike ein Thema, aber mein Durchbruch begann erst so richtig, als man anfing, mich auf Oblaten zu backen, im 16. Jahrhundert. Das erleichterte meine Herstellung enorm. Das Geschäft mit mir boomte vor allem in Städten, die eine gute Handelsanbindung hatten. Denn viele meiner Zutaten, die mir meine Würze verleihen, wie etwa Ingwer, Koriander oder Nelken, stammen aus fernen Ländern. 

Nürnberg gilt bis heute als weltweit wichtigste Lebkuchenstadt. Wie kam es dazu?
Nürnberg entwickelte sich bereits um 1300 herum zum Zentrum der Lebkuchenkunst. Das ist auf die Lage der Stadt im Zentrum Europas an der Schnittstelle der wich­tigsten internationalen Handelsstraßen zurückzuführen. Honig spielte eine wichtige Rolle dabei! Nürnberg hatte nicht nur eine Monopolstellung im Gewürzsektor, sondern galt auch als „Bienenkorb des Kaisers“.

Die Frankenmetropole eröffnete Ihnen zu Ehren sogar ein Museum ...
Yeah, darüber habe ich mich in der Tat sehr gefreut. Allein der Titel – „Der Nürnberger Lebkuchen – ein gar köstlich Backwerk“, das klingt so herrlich nostalgisch!

Zurück zur Gegenwart: Viele regen sich darüber auf, dass Sie von Jahr zu Jahr immer früher in den Regalen stehen, sozusagen im Spätsommer schon den Winter einleiten ...
Das ist ein Mythos, totaler Quatsch! Dass ich teilweise schon ab September verkauft werde, war nachweislich schon immer so. Und hey, wo ist das Problem? Wenn die Menschen keine Lust auf mich hätten, würde man mich mit Sicherheit auch nicht schon so früh zum Verkauf anbieten.

Leiden eigentlich Ihre Umsatzzahlen unter dem Trend, dass sich immer mehr Menschen gesundheitsbewusster ernähren?
Ich muss zugeben, dass es da mal eine Delle gab im natio­nalen Verkauf, vor ungefähr zehn Jahren, aber so dramatisch war die nun auch nicht. Die Exportzahlen haben nie gelitten, auch nicht durch die Corona-Krise. Die meisten Lebkuchenpäckchen werden nach wie vor in die USA geschickt. In Asien gehen meine Verkaufszahlen durch die Decke! Aber zu Ihrer Frage: Immer mehr Hersteller bieten mittlerweile auch Bio-Lebkuchen oder vegane Exemplare an. Und Lebkuchen Schmidt, der größte Exporteur mei­ner Wenigkeit aus Nürnberg, verzeichnete zuletzt ein Umsatzplus von sechs Prozent. Noch Fragen?

Nein. Lebkuchen, weiterhin viel Erfolg und danke für das Gespräch!

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