Das Softeis im Exklusiv-Interview
Jetzt rede ich!
von Sebastian BütowWarum sind Sie plötzlich wieder so angesagt? Viele Boomer erinnern sich noch daran, wie Sie in Fußgängerzonen aus tristen Maschinen herausgehebelt wurden.
Weil ich verstanden habe, was die Leute wollen: Leichtigkeit, Spaß und eine Prise Retro-Vibes. Ich bin schnell, komme ausgesprochen fotogen auf Social Media daher und ich schmelze genau im richtigen Moment. Dazu kommt: Nach Jahren von „höher, schwerer, teurer“ habt ihr wieder Lust auf etwas Unkompliziertes – nur eben hochwertiger als damals in der Fußgängerzone. Ohne künstliche Aromen, stattdessen mit saisonalen Zutaten wie Erdbeeren oder Rhabarber. Früher gab’s meist nur Vanille, Schoko und Waldmeister.
Sie klingen ziemlich selbstbewusst.
Das kann ich mir ja auch erlauben. Ich bin eine moderne Diva unter den Desserts – nur viel günstiger. Für mich braucht man keine Patisserie Ausbildung oder sonstigen Schnickschnack.
Wann wurden Sie eigentlich erfunden?
Meine Geburtsstunde liegt in den 1930er-Jahren. Der Legende nach hatte ein Eiswagenfahrer in den USA mit einer defekten Kühlung zu kämpfen, weshalb ihm das Eis weich wurde – und seine Kundschaft fand das genial. US-Unternehmen wie „Dairy Queen“ haben mich dann richtig fett rausgebracht. Seit 1940 bin ich offiziell auf der Bühne.
Wann hatten Sie vor Ihrer jetzigen Renaissance denn Ihre größte Zeit?
Die 70er und 80er waren definitiv meine Rockstar-Ära. Diese ikonischen Hebelmaschinen in Freibädern, Einkaufszentrem und Fußgängerzonen – ich war überall. In Deutschland? Kult. In den USA? Institution. In Großbritannien? Kein Strandspaziergang ohne mich.
Danach wurde es etwas ruhiger um Sie ...
Jaja, ich weiß. Erst war ich Kult, dann peinlich, jetzt wieder cool. Sagen wir mal so: Ich nahm mir eine kreative Pause. Irgendwann galt ich mehr und mehr als billige Salmonellenschleuder (lacht) und in der Zeit haben mich Gelato, Manufaktur-Eis und Hipster-Sorbets von der Bühne geschubst. Aber: So wie viele Trends komme auch ich zurück – nur eben deutlich besser als vorher. Jetzt bin ich Premium!
Sie haben es selbst angesprochen: Ihr Image war immer ein wenig von Hygienebedenken belastet.
Puh, das stimmt leider. Wird meine Maschine nicht regelmäßig gereinigt, kann es in der Tat kritisch werden. Als Milchprodukt bin ich sehr empfindlich und muss verlässlich betreut werden. Doch eine professionelle Gastronomie hat das im Griff: tägliche Reinigung, HACCP, alles Standard. Problematisch wird’s nur, wenn geschlampt wird.
Was machen Sie denn heute anders als früher?
Ich habe mich weiterentwickelt und komme jetzt mit Bio-Zutaten, hochwertigen Toppings wie Pistaziencreme oder Yuzu-Swirls daher. Als Produkt bin ich nun kein Trash mehr, sondern „handwerklich“ und „kuratiert“.
Was genau unterscheidet Sie von anderer Eiscreme?
Ganz einfach: Luft und Temperatur. Ich werde bei etwa -5 bis -7 °C serviert, deutlich wärmer als Kugel-Eis. Bei der Zubereitung wird mir mehr Luft eingeschlagen – das nennt man Overrun. Das Ergebnis ist cremiger, leichter, fluffiger. Ich bin Champagner, Kugel-Eis dagegen nur oller Rotwein.
In den USA haben Sie bekennende Fans, die bekannter nicht sein könnten: Barack Obama und Taylor Swift.
Obama ist schon seit Jahren dafür bekannt, mich mit Pistazien zu mögen. Und seit sich Taylor regelmäßig mit mir ablichten lässt, fahren auch Millionen Swifties auf mich ab. Wunderbar!
Softeis, wir danken Ihnen für das Gespräch.
