10 Fragen an Rea Garvey
Foto: Universal Music / Bella Lieberberg; Universal Music / Sven Sindt

10 Fragen an Rea Garvey

Ich bin der Spiegelgast – ist man nett zu mir, bin ich es auch!

von Daniela Müller
Dienstag, 20.09.2016
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Vielleicht hat der sympathische Ire es genau deshalb so weit gebracht. Seinen musikalischen Durchbruch feierte er im Jahr 2000 als Frontmann der Band »Reamonn« mit dem Hit »Supergirl«. Nach deren Auflösung startete der Wahl-Berliner eine erfolgreiche Solo-Karriere: Rea Garvey war Coach bei »The Voice of Germany«, seine drei Alben wurden mehrfach mit Gold und Platin ausgezeichnet, aktuell tourt er zum siebten Mal durch Deutschland.

  1. Du hast 1998 deine Heimat Irland verlassen und bist nach Deutschland gekommen. Was hat dich daran gereizt?
    In meinem Uni-Abschlussjahr war ich mit meiner ­damaligen Band in Deutschland. Das Leben hier hat mich gereizt, also wollte ich es ausprobieren. Wenn man, wie ich, von einer Insel kommt, kennt man seine Insel und ihre Kultur sehr gut – aber die Welt nicht. Das hat Vor- und Nachteile. Ich habe in Deutschland viele neue Erfahrungen gesammelt – z. B. allein zu leben. Ich komme ja aus einer Familie mit acht Kindern. Sonntags gab es früher immer »Roast Chicken«. Ich erinnere mich noch an meinen ersten Einkauf hier: Ich habe ein Hähnchen für 3,25 DM gekauft – und konnte nicht fassen, dass es für mich allein sein sollte (lacht).
  2. Dein neues Album »Prisma« beweist einmal mehr, dass man dich musikalisch schwer in eine Schublade packen kann.
    Ich liebe Musik – und ich liebe unterschiedliche Musik. Ich bin ein echtes Radiokind, denn ich bin mit dem Radio aufgewachsen und habe ständig Musik gehört. Ein DJ des Senders hat nachts immer neue Platten aufgelegt, z. B. von Nirvana oder Falco – sehr gemischte Musikstile. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich mich auf eine Richtung festlegen muss. Ich lasse mich von meinen Gefühlen leiten und mache daraus einen Song. Meine Wurzeln liegen aber im Irish Rock.
  3. »Prisma« hast du selbst als politisch inspiriertes Album bezeichnet. Was hat dich konkret bewegt, als du die Songs geschrieben hast?
    Als ich die Musik geschrieben habe, wurde über die Social-Media-Kanäle sehr viel anonyme Hetze verbreitet – auch gegen Freunde von mir. Ich möchte niemandem den Mund verbieten, aber ich verurteile Hetze, die im Schatten der Anonymität entsteht. Die Botschaft, die hinter vielen Songs auf meinem neuen Album steckt, lautet: Steh auf und steh zu deinem Wort, dann muss dein Gegenüber bereit sein, dich anzuhören.
  4. Du bist Gründer und Botschafter von zwei wohltätigen Organisationen: Saving an Angel und Clearwater.
    Saving an Angel ist eine Stiftung, die Kindern in Not hilft. Clearwater ist dann aus der Kindernot in Ecuador heraus entstanden. Wir klären über die verheerenden Folgen von Ölbohrungen im Amazonas auf und ermöglichen den Einwohnern Zugang zu sauberem Wasser. Wir haben dabei Unterstützung bekommen von Menschen wie Leonardo DiCaprio oder Sting und deren Organisationen. Worauf ich total stolz bin: Wir haben dort eine Infrastruktur aufgebaut, die funktioniert – und die jetzt für viele Projekte als Vorbild dienen wird.
  5. Du hast früher in der Gastronomie gearbeitet?
    Mit 13 habe ich bereits in einem Pub gearbeitet, später in einem Hotel gekellnert und in einem Restaurant bedient. Auch als ich nach Deutschland kam, habe ich zunächst als Servicekraft gejobbt. Ich hatte Spaß daran und wollte, dass meine Gäste Spaß haben. Ich liebe die Interaktion mit Menschen. Mein Lieblingsrestaurant habe ich nicht aufgrund seiner Speisekarte, wegen seines Images oder der Lage ausgewählt, sondern wegen der Kellner! Die sind einfach richtig cool und supernett.
  6. Würdest du dich selbst als angenehmen Restaurantgast bezeichnen?
    Ich glaube, ich bin der »Spiegelgast«: Wenn jemand nett zu mir ist, bin ich auch supernett. Andersherum frage ich schon mal unbequem nach dem Grund, wenn ich unhöflich behandelt werde. Ein guter Wirt schafft es, dass ich mich »wie zu Hause« fühle.
  7. Ist gutes Essen und Trinken wichtig für dich?
    Sehr wichtig! Ein Restaurant muss für mich nicht schick sein – im Gegenteil. Ich gehe dorthin, weil ich gut essen möchte, möglichst frisch gekocht. Unter meinen Freunden sind gute Köche, z. B. Tim Mälzer: Wer ihm bei der Arbeit zusieht, spürt seine Freude dabei. Gutes Essen kann man fühlen, denn es wird mit Liebe zubereitet, um glücklich zu machen. Ich selbst bin ein sehr guter Koch! Meine Spezialität ist unser traditionelles irisches Sonntagsessen: Roast Chicken mit Füllung, dazu Kartoffeln, Gemüse und eine schöne Bratensauce.
  8. Welche Persönlichkeit – tot oder lebendig – würdest du gerne mal an der Theke treffen?
    Den jungen Muhammad Ali und den jungen Elvis Presley. Ich glaube, es gibt eine Phase im Leben, in der die Energie in einem Menschen sehr explosiv ist, in der die Meinungen und Ideen wahnsinnig stark sind. Das finde ich wesentlich spannender, als »fer­tige« Persönlichkeiten zu treffen, die das meiste in ihrem Leben schon geschafft haben.
  9. Worauf legst du bei der Auswahl deiner Hotels wert?
    Am wichtigsten ist für mich, dass ich dort Ruhe finden kann. Wenn ich z. B. auf Tour bin und ein Konzert gebe, dann ist meine oberste Priorität, das gut zu machen. Das Hotel muss mich dabei unterstützen: Ich muss Sport machen können, etwas Gutes zu essen bekommen, gut schlafen. Übrigens habe ich einen Personal  Trainer mit auf Tour, und wir trainieren im Hotelzimmer. Für mich ist Sport eine Energiequelle vor Konzerten – und eine Investition in meine Gesundheit.
  10. Das Leben ist zu kurz, um …?
    … um Sorgen zu tragen.
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