Es war immer sinnstiftend
Zwischen Verantwortung, Krisen und Zukunftsfragen: Jürgen Gangl blickt auf seine Zeit an der Spitze der HDV zurück
von Karoline GiokasWenn Sie Ihre Zeit im HDV-Vorstand rückblickend in einem Gefühl zusammenfassen – welches ist das?
Vor allem mit Dankbarkeit und Respekt. Dankbarkeit für das große Vertrauen der Mitglieder und der Partner und für viele Wegbegleiter, die die Arbeit des Verbands mitgetragen haben. Respekt vor der Aufgabe, denn die Verantwortung war groß – gerade in den letzten Jahren. Es war eine intensive, manchmal auch herausfordernde Zeit, aber sie war immer sinnstiftend. Ich gehe nach 14 Jahren im Vorstand, davon 12 Jahre als 1. Vorsitzender, mit dem guten Gefühl, dass wir die HDV gemeinsam weiterentwickelt und zukunftsfähig aufgestellt haben.
Wie hat sich die deutsche Hotellerie während Ihrer Amtszeit verändert und welche Marktumbrüche waren besonders prägend?
Sie ist deutlich komplexer, internationaler und fragmentierter geworden. Die Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle und der Markteintritt globaler Player haben die Branche ebenso verändert wie die Pandemie und der russische Angriffskrieg auf die Ukraine. Besonders prägend war die Erkenntnis, wie verletzlich die Hotellerie ist, aber auch, wie resilient und kreativ sie reagieren kann, wenn es darauf ankommt.
Und wie haben sich die Erwartungen der HDV-Mitglieder an ihren Verband gewandelt?
Die Erwartungen sind gestiegen. Gefordert werden heute mehr Praxisnähe, schnellere Reaktionen und klare Positionierungen. Der Verband wird zunehmend als Plattform verstanden für Orientierung, Austausch auf Augenhöhe, Wissenstransfer und konkrete Unterstützung im Arbeitsalltag. Unsere Veranstaltungen greifen deshalb konsequent Themen auf, die die Hospitality zukunftsweisend gestalten. Sei es auf den beiden Jahrestagungen oder bei den regionalen HDV-Camps: Wir präsentieren Themen, die für die Hotellerie an Bedeutung gewinnen und die Branche nachhaltig prägen. Im Dialog mit politischen Entscheidungsträgern sowie hochkarätigen Experten diskutieren wir aktuelle Entwicklungen und Zukunftsfragen. So haben wir uns frühzeitig mit Nachhaltigkeit, den Auswirkungen künstlicher Intelligenz oder HR-Fragestellungen wie der Rolle des General Managers der Zukunft auseinandergesetzt.
Welche Entscheidung oder Initiative steht für Sie sinnbildlich für die Entwicklung der HDV?
Der strategische Ausbau der HDV zu einer modernen Branchenallianz mit klaren Positionen und einer starken Stimme in Politik und Öffentlichkeit. Dazu gehören neue Themen, neue Formate und die Öffnung für eine jüngere Generation von Führungskräften. Ein zentrales Anliegen war auch der Ausbau unserer Nachwuchsarbeit, etwa durch den Deutschen Hotelnachwuchs-Preis oder die Auszeichnung exzellenter Ausbildungsbetriebe.
Wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit innerhalb der Branche – über Verbandsgrenzen hinaus?
Die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Branchenverbände in Deutschland ist ganz wesentlich. Um unsere Interessen wirkungsvoll zu vertreten, müssen wir mit einer Stimme sprechen. Der „Branchentag der Profis“ war dafür ein wichtiger Startpunkt. Inzwischen arbeiten die Verbände regelmäßig im Rahmen der „Denkfabrik Zukunft der Gastwelt“ zusammen. Zudem haben wir uns international vernetzt und gemeinsam mit Verbänden aus Portugal, Spanien und Italien den „European Bond of Hospitality Leaders“ gegründet.
Was war für Sie persönlich die größte Herausforderung?
Ohne Frage die Corona-Zeit – fachlich wie menschlich. Entscheidungen mussten unter großer Unsicherheit getroffen werden, oft auf Basis unvollständiger Informationen. Gleichzeitig fehlte es an politischer Unterstützung, unsere Branche wurde vielfach ignoriert. Unmittelbar danach folgte mit dem Ukraine-Krieg die nächste Zäsur. Halt gaben mir in dieser Zeit der enge Austausch im Vorstand und mit den Mitgliedern sowie ein starkes Branchennetzwerk.
Welche Rolle müssen Branchenverbände heute einnehmen, um relevant zu bleiben?
Sie müssen Haltung zeigen, schnell kommunizieren und echte Mehrwerte bieten. Gleichzeitig müssen sie Brücken bauen zwischen Generationen, Unternehmensformen und zwischen Branche und Politik. Relevanz entsteht dort, wo Mitglieder spüren: Hier werde ich gehört, hier bekomme ich Orientierung, hier kann ich mitgestalten.

Wo sehen Sie die größten Chancen und Risiken für die Hotellerie in Deutschland?
Die größten Chancen liegen in der Qualität, Individualität und glaubwürdiger Nachhaltigkeit sowie in der Fähigkeit der Branche, sich immer wieder neu aufzustellen. Deutschland hat ein enormes Potenzial als Reiseland. Die größten Risiken sehe ich in steigenden Kosten, regulatorischer Überlastung und dem anhaltenden Mangel an qualifizierten Mitarbeitern. Entscheidend wird hier ganz klar sein, politisch stärker an Einfluss zu gewinnen und attraktive Arbeitsbedingungen zu schaffen.
Was wünschen Sie sich von der künftigen HDV-Führung?
Wir haben den Übergang über einen langen Zeitraum sorgfältig vorbereitet. Es ist von großer Bedeutung, das Zepter an die nächste Generation zu übergeben, die mit kreativen Ideen und innovativen Ansätzen den Verband aktiv gestalten und weiterentwickeln wird.
Dem künftigen HDV-Führungsteam wünsche ich Mut zu klaren Positionen, Offenheit für neue Perspektiven, Gespür für die wirklich entscheidenden Themen und die Fähigkeit, zuzuhören. Die HDV lebt vom Engagement ihrer Mitglieder und Partner. Diese Vielfalt zu bündeln und weiterzuentwickeln, ist die zentrale Aufgabe des neuen Vorstands.
Welche Botschaft möchten Sie jungen Führungskräften und dem Branchennachwuchs mitgeben?
Bleibt neugierig, bleibt kritisch, bildet euch weiter und verliert nie die Freude an der Gastgeberrolle. Führung bedeutet heute mehr denn je Haltung, Empathie und Lernbereitschaft. Die Branche braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen und gestalten wollen. Es lohnt sich!
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