Handschlag
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Time to say Goodbye: So gelingt der Jobwechsel

von Sebastian Bütow
Mittwoch, 06.03.2019
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Diese viel zitierte Weisheit der chinesischen Philosophie-Ikone ist umstritten, auch weil die Jobmöglichkeiten vor zweieinhalbtausend Jahren eher nicht so vielfältig waren wie heute.

Die Botschaft, dass ein idealer Job reichlich Erfüllung schenkt, hat dagegen zeitlose Gültigkeit. Wer unzufrieden ist oder sich weiterentwickeln will, muss auch mal gewohntes Terrain verlassen, ambitionierte Köche können Lieder davon singen. Im Gastgewerbe ist die durchschnittliche Verweildauer bei einem Arbeitgeber deutlich kürzer als dies in anderen Branchen der Fall ist. Gerade zu Beginn der Karriere ist es dabei mehr als üblich, häufiger die Stellen zu wechseln.

Beim Wechsel lauern Fallstricke

Berufliche Veränderungen stellen immer auch eine Reise ins Ungewisse dar, bei der so einige Fallstricke lauern, ob bei der Kündigung, beim Abschiednehmen oder der Wahl des neuen Jobs. Aber der Reihe nach: Worauf sollte man besonders achten beim Sprung aufs nächste Karrieretreppchen?

Die allerwichtigste Frage: Was genau will ich in Zukunft?

»Bevor man sich auf die Stellensuche begibt, sollte man überlegen: Was zeichnet einen – für mich persönlich – guten Arbeitgeber aus?«, empfiehlt der Karriere- und Businesscoach Dr. Bernd Slaghuis. »Welches Umfeld ist für mich ideal? Eher das 5-Sterne-Luxushotel oder ein charmantes, individuelles Restaurant? Ersteres klingt verlockend, aber den ganzen Tag im Anzug oder Kostüm irgendwelche Knigge-Richtlinien einzuhalten, ist nicht jedermanns Fall.«

Einige stellen das erst fest, wenn’s zu spät ist. In Slaghuis’ Bewerbungs-Coachings geht es deshalb immer erst einmal darum, eine »eigene Klarheit« herauszuarbeiten. Nur wer eine genau definierte Vorstellung von seinem nächsten Job bzw. seinen beruflichen Zielen hat, klettert die Leiter nach oben.

Führungsstil und Kollegen sollten passen

Auch mit welcher Art von Führung und Kollegen man zu tun habe, sei ein wichtiger Faktor, den viele unterschätzen. Das Umfeld sollte auch zwischenmenschlich zu einem passen, »das ist ganz elementar wichtig«, so Slaghuis. Und: »Manche möchten jeden Tag neue Herausforderungen meistern, andere bevorzugen Routine und Sicherheit.«

Jeder Arbeitnehmer hat da seine eigenen Vorlieben und Werte. Und über diese muss man sich im Klaren sein. »Bei Klienten, die zu mir kommen, weil sie frustriert sind in ihrem Job, ist es immer so, dass deren Werte dort nicht erfüllt sind. Braucht ein Mensch Freiheit, kann er nicht glücklich sein, wenn ihn ein ›Kontrolletti‹-Chef ausbremst.«

»Planerisch vorgehen!«

Mit der Frage, was genau einem in den kommenden Berufsjahren wichtig sei, »sollte man planerisch vorgehen«, sagt auch »Bewerbungspapst« Jürgen Hesse. Denn: »Für ein Schiff, das nicht seinen Hafen kennt, weht nie ein günstiger Wind.« Die Karriere-Sachbücher des Autorenteams Hesse/Schrader verkauften sich mehr als acht Millionen Mal, er war das Gesicht des TV-Formats »Endlich wieder Arbeit!« auf RTL.

Bewerbungscoaches empfehlen, schriftlich vorzugehen beim Planen des zukünftigen Arbeitslebens. Denken ist Probehandeln, das wusste schon Goethe. »Die schriftliche Aus-einandersetzung mit Fragen, warum etwa es zuletzt nicht mehr so gut lief im Job, welche die eigenen Anteile dabei sind, haben einen positiven Einfluss auf das Denken«, so Jürgen Hesse. Außerdem: »Was sind meine kurz-, mittel- und langfristigen Ziele?«

Wie finde ich den richtigen Job
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Wie finde ich den richtigen Job?

Am naheliegendsten sind natürlich Stellenanzeigen. Die auf Gastronomie, Hotellerie, Catering und Gemeinschaftsverpflegung spezialisierte HOGAPAGE Jobbörse ist hier z.B. eine perfekte Adresse. »Wir unterscheiden uns von vielen anderen Angeboten, weil wir auf die Wünsche unserer Kunden eingehen«, erklärt Dorian Heidel, Leiter der Jobbörse. »So etwa bieten wir eine individuelle Beratung an und schnüren Angebotspakete ganz nach deren Bedürfnissen.»

Darüber hinaus ist es zielführend, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, sich aktiv zu bewerben, statt nur auf Angebote zu reagieren. »Wer selbst eine Bewerbungsinitiative startet, zeigt, dass er aktiv, agil und flexibel ist. Allein das lässt den Bewerber positiv erscheinen«, ist Jürgen Hesse überzeugt.

Der große Vorteil von Initiativbewerbungen

Wer sich in ein bestimmtes Hotel oder Restaurant verguckt hat, braucht nur noch den Kontakt zum richtigen Ansprechpartner – und auf geht’s mit der Initiativbewerbung an den Wunschbetrieb. Hesse: »Der große Vorteil ist, dass man nicht einer von vielen Bewerbern ist. Die Konkurrenz ist geringer.«

»Eine etwas feinere Form der Initiativbewerbung ist es, Messen, Events und Weiterbildungen zu besuchen. Da lernt man Leute kennen, erweitert sein Netzwerk, erfährt von Jobmöglichkeiten. Nicht nur in Zeitungen und im Internet nach Jobs suchen, sondern auch präsent sein«, rät Jürgen Hesse.

Gehalt ist nicht das Wichtigste

Nur auf die Höhe des (nächsten) Gehalts Wert zu legen, ist nicht immer die klügste Priorität. »Es kommt nicht darauf an, was man heute verdient, sondern morgen«, so Hesse. »Eine lehrreiche Station oder eine namhafte Adresse kann viel mehr wert sein als ein paar Euro mehr.« Insbesondere wenn man in der gehobenen Gastronomie aufsteigen möchte, ist weniger das Geld als das prestigeträchtige Arbeitszeugnis der eigentliche Lohn.

»Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bewerbe ich mich auf Ihr Stellenangebot als Marketing-Manager, gefunden im Kölner Stadtanzeiger am 20. Februar … « – Wer so beginnt, zudem im Bewerbungsanschreiben nur mit sperrigen und nichtssagenden Standardsätzen »auffällt«, den Leser mit Worthülsen quält und langweilt, landet ziemlich schnell im Papierkorb.

»Der Lebenslauf kann noch so beeindruckend sein. Verrät ein Anschreiben nichts über mich und meine Motivation, werde ich oft aussortiert«, weiß Bernd Slaghuis. »Das Anschreiben bietet die großartige Möglichkeit, über die bisherigen beruflichen Stationen hinaus noch mehr über mich mitzuteilen. Und das sollte man unbedingt tun!«

Es liegt nicht jedem, ein Anschreiben brillant zu formulieren, in den meisten Gastgewerbejobs ist diese Kompetenz auch nicht gefragt. Mit einem kurzen Videoclip, in dem man sich selbst sympathisch vorstellt, kann man eine Aufmerksamkeit generieren, die die meisten anderen Mitbewerber nicht bekommen.

Was, wenn ich nicht alles beherrsche?

Die Anforderungsprofile der Stellenangebote listen meist eine ganze Reihe von Eigenschaften und Kompetenzen auf, die für den Job verlangt werden. Und wenn ich nur acht von zehn dieser Punkte erfülle, etwa schlechte Englischkenntnisse habe statt »sehr gute«? Offen damit umgehen oder besser die Schwächen verschweigen, um die Zusage nicht zu gefährden? Bernd Slaghuis hat einen guten Rat: »Zwei Fragen sind hier entscheidend. Traue ich mir diese Dinge zu? Und: Habe ich Lust darauf?« Wer beides für sich mit ›ja‹ beantworten kann, sollte sich trotzdem bewerben. »Meist reicht es schon, wenn man 60 Prozent des Anforderungsprofils erfüllt«, ergänzt Hesse.

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.

Professionell Abschied nehmen

Die Zusage für den neuen Job in der Tasche? Hesse weiß, was es zu beachten gilt beim Noch-Arbeitgeber: »Seine Wechselabsichten unbedingt für sich behalten. Nicht im Streit gehen oder sang- und klanglos verschwinden, manche Chefs sind da sehr empfindlich. Man sieht sich bekanntlich immer zweimal. Ruhig auch mal ›danke‹ sagen und ›Ich habe viel gelernt‹.«

Beispiel für eine typische Jobwechsel-Problematik: Ein Restaurantmitarbeiter erhält den Zuschlag für seinen Lebenstraum-Job in London, müsste diesen aber schon in zwei Wochen antreten. Was tun, wenn die Kündigungsfrist den Wechsel zu verhindern droht? Slaghuis: »Die Argumentation, dass ein Chef solch eine einmalige Chance doch nicht verbauen dürfe, könnte sich als zu mager entpuppen.«

Cleverer: »Eine vorbereitete Lösung anbieten, dass man schon mit Kollegen gesprochen habe, die bereit wären, die Dienstplan-Lücken zu stopfen.« Das könne hilfreich sein. In heiklen Fällen führt an einer Rechtsberatung bei einem Fachanwalt kein Weg vorbei.

Dr Bernd Slaghuis
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Dr. Bernd Slaghuis

Karriere-Coach Dr. Bernd Slaghuis rät den Bewerbern, sich erst über die eigenen Ziele klar zu werden.

Das Anschreiben bietet die großartige Möglichkeit, über die bisherigen beruflichen Stationen hinaus noch mehr über mich mitzuteilen

 

 

 

Jürgen Hesse
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Jürgen Hesse

»Bewerbungspapst« Jürgen Hesse ist auch das Gesicht des TV-Formats »Endlich wieder Arbeit!«.

Bewerber sollten sich vor der Jobsuche über ihre kurz-, mittel- und lang­fristigen Ziele klar sein

 

 

 

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