Beleuchtetes Hotel
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Es werde Licht!

von Petra Sodke
Donnerstag, 01.06.2017
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Sogar kleine architektonische Mängel, die fast jeder Betrieb hat, lassen sich damit gut ausgleichen. Trotz dieser Chancen wird das Thema in Betrieben leider oft allzu stiefmütterlich behandelt. Wie man’s besser macht, verraten die Beleuchtungsprofis der Osram Group und der Marketing-Fachmann Claus Ebster.

Ein Beleuchtungskonzept zu erstellen, ist nicht einfach. Kein Wunder bei der großen Produktvielfalt und all den Innovationen am Markt. Da ist die Rede von Up- und Downlights, Deckenflutern, modularen Lichtsystemen, intelligenten LED-Systemen, Wandprojektionen, LED-Objekten im Teppichboden als Wegweiser, farbdynamischer Steuerung und, und, und. Als wäre das nicht verwirrend genug, sollten die Leuchtkörper auch zu Stil und Architektur des Hauses passen und natürlich an der richtigen Stelle das richtige Licht liefern.

Das Grundrezept für jedes Beleuchtungskonzept

Wo also beginnen? Am besten mit einem Rundgang durchs Hotel und dem wichtigsten Licht-Rezept, das Beleuchtungsprofi Claudia Rieling (www.osram-group.de) verrät: »Der Schlüssel für eine angenehme Wohlfühlatmosphäre liegt im harmonischen Zusammenspiel von dekorativem und funktionalem Licht.« Das ergibt die Faustregel: Man kombiniere stets funktionales Licht (Grundlicht, Zonen-/Akzentlicht) und dekoratives Licht (Stimmungslicht). Mit dem Grundlicht schafft man eine gleichmäßige Ausleuchtung im ganzen Raum, z. B. in Form von zur Decke gerichtetem Licht oder Leuchten, die nach allen Seiten abstrahlen. Mit Zonenlicht setzt man Akzente, ohne die ein Raum steril wie ein grell grundbeleuchteter, schattenloser OP-Saal wirken würde. Mit flexibel ausrichtbaren Leuchten, die ihr Licht nach unten oder an die Wände richten, betont man Aktivitätsbereiche, wo Gäste und Personal mehr Licht benötigen: die Arbeitsflächen der Rezeption, Lese- und Arbeitsareale in der Lounge, das Make-up-Tischchen im Zimmer. Stimmungslicht (etwa nach oben leuch­tende Uplights, oft mit farbigem Licht) dient nicht der Beleuchtung, sondern schafft gezielt Atmosphäre innen wie außen an der Fassade, als Bodeneinbauleuchten, im Fußboden, an der Wand usw.: feierlich, imposant, gemütlich, edel, romantisch. Mit diesem Wissen ausgestattet, geht man durchs Hotel und überlegt Raum für Raum: In welchen Bereichen gehen Gäste und Personal welchen Tätigkeiten nach, welche Lichtqualität benötigen sie dafür? Welche Lichtstimmungen will ich für meine Gäste wo kreieren?

Natürlich auch wichtig: die Kostenfrage. Empfehlenswert ist der Einsatz energiesparender LED-Beleuchtung. Rieling: »Sie ist besonders effizient, langlebig und hat einen reduzierten Wartungsaufwand. Kombiniert mit intelligenten Steuerungen, ist sie ein Multitalent: Mit elegantem Weißlichtambiente kann man architektonische Merkmale dezent hervorheben, mit farbenfrohen Medieninstallationen im Innen- und Außenbereich ein einzigartiges Erlebnis für Gäste schaffen.«

Mit Licht tricksen

Marketing-Profi Claus Ebster (www.marketmentor.org) verrät, wie man architektonische Mängel mit Licht behebt: »Niedrige Räume erscheinen höher, wenn man Licht von unten auf hell gestrichene Wände lenkt. So wirken Räume größer: Licht auf die Wände richten oder die Decke stärker ausleuchten. Zu hohe Räume entschärft man mit Hängeleuchten. In einem schmalen Raum sollte man Licht auf hell gestrichene Wände lenken.« Übrigens: Licht interagiert auch mit (Wand-)Farben. Es macht einen Unterschied, ob Tageslicht oder künstliches Licht (warmweiß, kaltweiß) auf eine farbige Wand trifft. Fazit: Diese grundlegenden Tipps sind nur ein kleiner Teil dessen, was man mit Licht alles bewirken kann. Ein gutes Beleuchtungskonzept zeigt sich im perfekten Spiel von Licht und Schatten und ist stets individuell: Die Beleuchtung soll ja die Einzigartigkeit des Hauses betonen.

TIPPS: Hotel-Rundgang mit Beleuchtungsprofi Claudia Rielin

  1. Fassade: Zum öffentlichen Orientierungspunkt werden: mit klassischen Beleuchtungs-Szenarien oder Architainment-Features (z. B. dynamische, farbige LEDs, Videowände, Beleuchtung der Gebäudekon­turen). Inspirierend: Yas Hotel, Abu Dhabi
  2. Korridor, Parkgarage: Besonders wichtig (24-Stunden-Nutzung!): auf energieeffiziente Lösungen achten. Sehr helle Beleuchtung fürs Sicherheitsgefühl und zum Erkennen von Hindernissen. Top: LED-Licht­lösungen mit Sensorik und intelligentem Lichtmanagement (neben der Grundbeleuchtung lässt sich das Beleuchtungsniveau erhöhen, wenn sich Personen/Fahrzeuge in der Garage bewegen). Top: Korridor-Beleuchtung im Hotel Silken Puerta América, Madrid
  3. Lobby: Decken aufhellen (repräsentative Hervor­hebung), blendfreie Arbeitsplätze, Augenmerk auf Harmonie zwischen dekorativem und funktionalem Licht. Top: Hotel SIDE, Hamburg
  4. Hotelzimmer: Sollte Behaglichkeit ausstrahlen. Gast reguliert Beleuchtung je nach Bedürfnis und Tageszeit: Lesen, Entspannen, Arbeiten. Wichtig: blend­freies, schattenarmes Licht. Vorbildhaft: Radisson Blu Hotel, Frankfurt a. M.
  5. Hotel-Restaurant: Dezentes Licht im Sitzbereich (hell genug fürs Lesen der Speisekarte, dunkel genug für das Schaffen von Privatsphäre), Laufwege/Service­zonen heller ausleuchten. Stimmung schaffen: dynamische, einfach in die Architektur integrierbare LED-Lösungen mit intelligenten Steuerungen (viele innovative Produkte am Markt!)

Der Original-Text aus dem Magazin wurde für die Online-Version evtl. gekürzt bzw. angepasst.

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